Mama-Streit: Töpfchen Training fürs Kind?

6. Januar 2016

Katharina The Nachtsheim Session - Part One12.2.2014@ Niels Starnick

Als meine Tochter ungefähr ein Jahr alt war, bemerkte ich, dass sie ihr großes Geschäft jeden Tag zur gleichen Zeit erledigte. Nach dem Frühstück etwa oder nach dem Mittagsschlaf. Also ging ich in die Drogerie und kaufte ein Töpfchen. Denn ich dachte: Wenn das schon so absehbar ist, dann kann ich auch versuchen, sie an das Töpfchen zu gewöhnen. Nicht nur ich war aufgeregt, auch meine Tochter fand das neue Badutensil spannend. Schon am Tag danach setze ich sie nach dem Frühstück auf das Töpfchen, hockte mich dazu und erklärte ihr, was wir hier versuchen. Ich wartete fünf Minuten, nichts passierte. Ich nahm sie wieder runter, zog ihr die Windel an, die keine fünf Minuten später gefüllt war. Na prima, der erste Versuch ging gleich mal nach hinten los. Doch ich ließ mich nicht entmutigen, sondern setze sie jeden Tag zur gleichen Zeit wieder aufs Töpfchen. Wenn sie nicht sitzen bleiben wollte, guckte ich mit ihr ein Buch an und beruhigte sie dadurch. Ein paar Tage passierte nichts. Doch dann machte sie plötzlich Pipi. Als ich sie runterhob, zeigte ich ihr das Ergebnis, klatschte freudig und lobte sie. Meine Tochter freute sich mit und ich hatte das Gefühl, dass sie begriff, was ich wollte. Ab dann übten wir das jeden Tag. Anfangs klappte es nur alle paar Tage, doch sehr schnell landete der Stuhlgang regelmäßig im Töpfchen. Ich konnte kaum fassen, wie einfach das war. Es passierte ganz ohne Druck. Wenn es nicht klappte, dann eben nicht. Wenn doch, feierte ich das Ergebnis wie einen WM-Sieg. Mit etwa 18 Monaten war meine Tochter so weit, dass das große Geschäft gar nicht mehr in der Windel landete. Was für eine Erleichterung für mich! Also ging ich einen Schritt weiter und setzte sie alle paar Stunden aufs Töpfchen. Mit dem Ergebnis, dass auch nasse Windeln weniger wurden. Wenn wir unterwegs waren und somit kein Töpfchen zu Hand hatten, ging es natürlich in die Hose. Doch ich bemerkte, dass meine Tochter das nicht mehr als normal oder angenehm empfand. Sie wollte dann sofort gewickelt werden. Eine perfekte Voraussetzung fürs Trocken-werden. Denn die heutigen Windeln sind ja eigentlich so saugfähig, dass viele Kinder das Einnässen nicht mehr spüren und daher auch keinen Grund haben, trocken zu werden. Anders bei meiner Tochter. Kurz nach ihrem zweiten Geburtstag brauchte sie, außer nachts, keine Windel mehr.
Komischerweise stieß ich mit meinem Töpfchen-Training bei vielen Bekannten auf Unverständnis. Es würde die Kinder unter Druck setzen, hieß es. Sehe ich gar nicht so. Wenn es nicht klappte, gab es ja keine Strafe. Wenn es klappte, freute ich mich. Meine Tochter hat gerne mitgemacht, wenn sie mal keine Lust hatte, stand sie einfach auf. Für uns war es der richtige Weg. Bei meinem Sohn habe ich es übrigens genauso gemacht. Er hatte jedoch anfangs richtig Angst vor dem Töpfchen. Also habe ich es wieder in den Keller gebracht und vier Wochen später erneut versucht. Und was soll ich sagen? Plötzlich klappte es. In zwei Monaten wird er zwei und Kaka-Windeln sind bei uns jetzt schon kein Thema mehr…

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Neulich war ich bei einer Bekannten zu Besuch, ihr Baby war etwa zehn Wochen alt. Sie legte es auf den Wickeltisch während wir quatschten, die Kleine strampelte noch ein bisschen und dann setzte ihre Mama sie auf ein Töpfchen. Ich glaube, sie sah mir das Fragezeichen auf meiner Stirn an. Was machst Du da? „Naja, sie macht oft ihr Geschäft, nachdem sie nackt gestrampelt hat. Manchmal ging schon etwas ins Töpfchen.“  Hui. Hm. Nun ja, dachte ich, schaden wird es schon nichts. Für mich aber wäre das nichts.
Mein Verständnis von Mutterschaft ist geprägt von der Begleitung. Ich möchte meine Kinder nicht in die eine oder andere Richtung ziehen – zumindest nicht bewusst. Eine Möhre wächst schließlich auch nicht schneller, wenn man daran zieht.
Natürlich finde ich es gut, früh Anregungen zu geben. Wer früh Lieder oder Geschichten hört, wird vielleicht eher reden lernen. Aber beim Töpfchen? Für mich hat der Begriff Töpfchentraining etwas von Militärcamp. Los, los, jetzt mach schon! Ich stelle mir eine Reihe von Kindern nach dem Essen in der Kita vor, die auf dem Töpfchen sitzen und machen sollen. Puh. Keine schöne Vorstellung.
Ich finde, Verdauung und alles was damit zusammenhängt ist ein sehr sensibles Themengebiet. Viel Psychologisches wird diesem Thema beigemessen. Heißt es nicht sogar, wer Verstopfung habe, sei später eher geizig, weil er nichts hergeben will? Und hört man nicht oft von Scheidungskindern, die plötzlich wieder einnässen? Jetzt aber mal wieder weg von den Binsenweisheiten.
Ich finde das jedenfalls ein sehr sensibles Thema. Und ich meine: Die Kinder sollten hier den Takt angeben. Genauso wie ich finde, dass Kinder ihren Geburtszeitpunkt bestimmen sollten (wenn sie fertig sind, kommen sie schon), bin ich für einen behutsamen Übergang von Windel zu Töpfchen. Wenn ich merke, dass das Kind einige Stunden ohne Windel auskommt: Super. Dann darf es auch ab und zu ohne laufen. Wenn es noch nicht so weit ist, darf es sich Zeit lassen. So einfach handhabe ich das. Ganz ohne Druck. Und ohne, dass der Stuhlgang zum großen Thema wird.

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SCHLAGWORTE:

Katharina
Autor

Katharina und Lisa

Als drittes von fünf Kindern war Katharina immer klar: Sie will selbst auch eine große Familie haben. Mhhhh - doch dann kam zuerst das Studium, eine Ausbildung und schwupps war sie Ende 20, als ihre Tochter geboren wurde. Heute ist sie, Katharina, 33. Im Januar kam Baby Nr. 2 , der Traum von der Großfamilie besteht immer noch. Und weil die ja nicht nur von Luft und Liebe leben kann, arbeite sie als Journalistin mit Themenschwerpunkt... genau: Familie. Lisa ist 32 und beschäftigt sich, seit sie Mutter dreier Kinder ist, natürlich oft und viel mit Familienthemen. Um nicht ihrem gesamten Freundeskreis mit Kinder-Anekdoten zu nerven, schreibt sie in vielen Ecken und Enden des Internets darüber, z.B. bei www.nusenblaten.de oder www.stadtlandmama.de. Mit Kindern, Mann, Großeltern und vielen Tieren lebt sie direkt am Waldrand. Ihre eigene Kindheit verbrachte sie vor allem auf dem Fußballplatz, auf dem ihr Bruder kickte, während sie mit dem Einrad drumherum kurvte... Gemeinsam schreiben Katharina und Lisa unsere Kolumne "Mama-Streit".

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Ein Kommentar

  1. Ein wirklich interessantes Thema – ich selbst habe auch schon davon gehört, ein kleines Baby auf ein Töpfchen zu setzen. Für mich kam das nie in Frage. Mein Sohn ist zur Zeit fünf Monate alt und wie in dem Blog beschrieben, werde ich auch erst nach dem ersten Lebensjahr damit beginnen. Ich persönlich empfinde es auch nicht als Druck das Kind einfach mal auf das Töpfchen zu setzen.

    Liebe Grüße

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