Mama-Streit: Darf man auch mal richtig autoritär erziehen?

30. September 2015

Katharina The Nachtsheim Session - Part One12.2.2014@ Niels Starnick

Autoritäre Erziehung – ein ziemlich negativ belasteter Begriff. Sofort denkt man an einen strengen Vater, der „Solange Du deine Füße unter meinen Tisch streckst“ brüllt. Ich bin weder ein Vater, noch brülle ich. Würde man mich fragen, wie ich erziehe, würde ich wahrscheinlich „liebevoll konsequent, durchaus mit einem autoritären Touch“ sagen. Denn ja, ich habe auch schon mal eine Diskussion mit den Worten „Weil ich es sage“ beendet. Denn eins bemerke ich immer wieder: Eltern quatschen einfach zu viel. „Aber Mäuschen, könntest Du jetzt bitte Deine Jacke anziehen? Weil wenn Du jetzt trödelst, kommt die Mami zu spät ins Büro und dann ist ihr Chef sauer. Und das willst Du doch nicht. Oder?“ Ich bin in manchen Situationen dann für ein klares „Zieh jetzt bitte Deine Jacke an, wir müssen los.“ Denn ich bin der Überzeugung, dass Kinder klare Ansagen brauchen. Doch leider ist das nicht mehr üblich. Wirft ein Kind einem anderen mehrmals eine Schaufel an den Kopf, wird tausendmal erklärt, wieso das „schlimm Aua“ macht, anstatt nach einer Verwarnung den Spielplatz konsequent zu verlassen. Manchmal habe ich das Gefühl, Eltern würden jeden Konflikt und Auseinandersetzung mit ihren Kindern scheuen und sich deshalb kaum trauen, feste Regeln zu etablieren. Sie überlassen ihren Kindern ständig die Wahl, lassen sie bei allem mitbestimmen. Dabei vergessen sie, dass sie die Eltern und die Kinder Kinder sind. Dass es ihre Aufgabe ist, Kindern das gesellschaftliche Miteinander zu lernen. Dass sie dafür verantwortlich sind, Kinder zu erziehen. Ich glaube, dass es Situationen gibt, in denen es einen Anführer braucht und die nicht absolut demokratisch ausdiskutiert werden müssen. Und ich glaube, dass Kinder Erwachsenen Respekt gegenüber haben müssen. Ich möchte nicht, dass meine Kinder mir oder anderen Erwachsenen frech gegenüber sind. Natürlich kommt es vor, dass sie es sind. Dann mache ich sehr deutlich, dass ich gewisses Verhalten nicht toleriere. Halten sie sich nicht daran, folgen logische Konsequenzen. Vielleicht liegt das daran, dass ich ähnlich erzogen wurde. Bei uns war klar, dass es einen Unterschied zwischen Kindern und Erwachsenen gibt. Hatten meine Eltern beispielsweise Besuch und wollten ungestört reden, haben wir in unseren Zimmern gespielt. Heute erlebe ich, dass ich mich mit manchen meiner Eltern-Freunde kaum noch unterhalten kann, weil ständig ein Kind reinquatscht und es nicht gewohnt ist, mal nicht die volle Aufmerksamkeit zu haben. Mich stört das gewaltig und versuche das in meiner eigenen Familie anders zu handeln. Dazu braucht es Geduld, Erklärungen und manchmal eben auch eine klare Ansage.

 

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Ich kann nicht gut mit Autoritäten umgehen. Jedenfalls nicht mit aufgesetzten. Es gibt Menschen, die haben eine natürliche Autorität an sich. Damit komme ich gut klar. Aber jemand, der gerade noch mein Kollege war und nun durch seine Beförderung meint, mir lautstarke Befehle geben zu müssen? Ui, damit habe ich es schwer. Ich lebe gern in sanften Hierarchien, finde es toll, wenn meine Chefin mit zum Mittagessen kommt, sich als Teammitglied sieht und nicht als göttliche Erscheinung, an die wir Normale-Mitarbeiter niemals rankommen werden.
Warum ich das erzähle? Weil mir das mit meinen Kindern oft genauso geht. Ich freue mich, wenn sie Respekt vor mir haben, weil ich irgendetwas Tolles kann. Einradfahren zum Beispiel. Ich möchte aber nicht, dass sie ehrfürchtig vor mir niederknien, nur weil ich ihre Mutter bin. Die Antwort „Weil ICH das sage“, gibt es bei mir nicht. Auf die Frage, warum die Kinder jetzt besser Zähne putzen sollten, statt weiter Nutella mit Löffeln aus dem Glas zu essen, erkläre ich, warum das wichtig für die Zähne ist und nicht, weil ICH es sage. Wir halten unsere Kinder an, Dinge zu tun, die eben vernünftig sind.
Bestimmt gibt es Eltern, denen mehr Respekt von den eigenen Kindern entgegen gebracht wird. Wir leben hier eher in einer Art WG, wie mein Mann manchmal spaßeshalber sagt. Alle haben hier etwas zu sagen. Natürlich stecken wir Grenzen ab, der Tisch wird nicht mit Edding bemalt, die Bananenschale nicht einfach auf dem Boden fallen gelassen. Aber bei diesen Regeln geht es uns einfach um ein familiäres Zusammenleben, das für alle tragbar ist und nicht um überflüssige, doofe Machtspiele. Ich sehe mich als Unterstützer, Förderer, Partner meiner Kinder, sie dürfen mich alles fragen, können sich einiges (nicht alles!) bei mir und meinem Mann abschauen. Müssen sie aber auch nicht.
Ich bin selbst so aufgewachsen, ich wusste zwar, dass ich meinem Vater keine Schimpfworte entgegenbringen sollte, aber ansonsten war ich recht frei in dem was ich tat. Ich hatte keine festen Ins-Bett-Geh-Zeiten und ging in einen antiautoritären Kinderladen. Kein Wunder, dass es mir erstmal schwer fiel, mit der unnatürlichen Autorität einiger Lehrer klarzukommen. Ich diskutiere eben gerne mit. Ich glaube, dass mir das einiges an Selbstbewusstsein eingebracht hat. Ich musste mich in meiner Kindheit nicht dauernd fügen, weil ich als Jüngste das vermeintlich schwächste Glied in der Kette war, sondern konnte mich selbst entfalten. Das gönne ich meinen Kindern auch.

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Katharina
Autor

Katharina und Lisa

Als drittes von fünf Kindern war Katharina immer klar: Sie will selbst auch eine große Familie haben. Mhhhh - doch dann kam zuerst das Studium, eine Ausbildung und schwupps war sie Ende 20, als ihre Tochter geboren wurde. Heute ist sie, Katharina, 33. Im Januar kam Baby Nr. 2 , der Traum von der Großfamilie besteht immer noch. Und weil die ja nicht nur von Luft und Liebe leben kann, arbeite sie als Journalistin mit Themenschwerpunkt... genau: Familie. Lisa ist 32 und beschäftigt sich, seit sie Mutter dreier Kinder ist, natürlich oft und viel mit Familienthemen. Um nicht ihrem gesamten Freundeskreis mit Kinder-Anekdoten zu nerven, schreibt sie in vielen Ecken und Enden des Internets darüber, z.B. bei www.nusenblaten.de oder www.stadtlandmama.de. Mit Kindern, Mann, Großeltern und vielen Tieren lebt sie direkt am Waldrand. Ihre eigene Kindheit verbrachte sie vor allem auf dem Fußballplatz, auf dem ihr Bruder kickte, während sie mit dem Einrad drumherum kurvte... Gemeinsam schreiben Katharina und Lisa unsere Kolumne "Mama-Streit".

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Ein Kommentar

  1. Mit diesem Thema beschäftige ich mich auch momentan. Mein Sohn ist knapp zwei und nun merke ich dass nicht mehr alles getan wird nur weil ich es möchte. Gerne lege ich Gründe da, sofern mir welche einfallen. Ich kann ganz schlecht was durchsetzen dass ich selbst blöd finde; wie z.b. alleine einschlafen. Oft genug nutze ich allerdings die “weil ich es sage”-Strategie, weil er nunmal auch mit Erklärung vieles gar nicht einsieht. Wie z.B. Jacke anziehen. Dass es kalt ist streitet er dann ab, auch dass er krank werden wird. Da muss dann halt auch mal das Erpressen “ohne Jacke gehen wir nicht raus” hinzugezogen werden. Es mag Kinder geben, die dank Erklärung demnach handeln… aber es gibt auch andere. Ich mache das was funktioniert.

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