Mama-Streit: Dürfen wir uns in die Erziehung anderer einmischen?

21. Oktober 2014

Unsere Eltern-Bloggerinnen nehmen sich auch in ihrem neuen Beitrag wieder ein heiß diskutiertes Thema zur Brust: Darf ich mich in die Erziehung meiner Freundin einmischen? Oder sollte ich den Erziehungsstil anderer Eltern respektieren, auch wenn ich anderer Meinung bin?
The Nachtsheim Session - Part One12.2.2014@ Niels Starnick

Katharina

„Wenn Du noch einmal mit Sand schmeißt, gehen wir heim“, sagt meine Freundin schon das dritte Mal zu ihrem Sohn. Und der? Nimmt eine schöne Hand voll Sand und pfeffert sie zu uns rüber. Meine Freundin seufzt: „Warum hört der nur nicht?“ Da bricht es aus mit heraus: „Warum sollte er? Du drohst Konsequenzen an, machst aber nichts.“ Puh, jetzt ist es raus. Ich habe die Erziehung einer Freundin kritisiert. Und das war längst überfällig. Denn ihre Inkonsequenz geht mir ganz schön auf die Nerven – genau wie das Kind, das ihr komplett auf der Nase herum tanzt. Meine Freundin guckt mich verwundert an , sagt dann: „Stimmt. Du hast recht.“ Ja, ich weiß, Kritik einstecken ist nie angenehm. Aber ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass wir manchmal eine Meinung von außen brauchen. Weil wir oft viel zu oft in unseren Verhaltensmustern stecken und die kleinen Unachtsamkeiten, die sich eingeschlichen haben, nicht mehr wahrnehmen. Da hilft es, wenn jemand Neutrales mal wieder den Blick schärft. Viele Mütter verbieten sich jede Einmischung in ihre Erziehung, sie reagieren pampig, beleidigt, getroffen. Meiner Meinung nach mangelt es dann an Selbstwertgefühl. Denn ein Ratschlag bedeutet ja nicht, dass man alles falsch macht, sondern sollte uns ermuntern, unseren Erziehungs-Horizont zu erweitern. „Um ein Kind zu erziehen braucht es ein ganzes Dorf“ heißt es. Da werden wir doch von befreundeten Müttern ein paar gute Tipps annehmen können. Kurz: Genauso, wie ich von Freunden erwarte, dass sie mir ehrlich sagen, ob mir meine neue Hose steht, möchte ich auch, dass sie mir in Sachen Kinder nichts vormachen. Das bedeutet natürlich nicht, dass ich alles, an was ich in Sachen Erziehung glaube, sofort über den Haufen schmeiße, wenn mir irgendjemand einen Tipp gibt. Aber ich höre ihn mir an, beurteile ihn und überlege mir, wie ich damit umgehe. Meine Freundin übrigens hat dann tatsächlich ihren Sohn gepackt und ist mit ihm nach Hause. Ich bin mir sicher, dass er nicht wieder so schnell mit Sand um sich schmeißen wird.

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Lisa

Natürlich würde ich eingreifen, wenn ich mitbekommen würde, dass einem Kind wehgetan wird. Egal ob physisch oder psychisch. Da könnte ich meinen Mund nicht halten. Solange aber niemand verletzt wird, mische ich mich in die Erziehung anderer nicht ein. Weil ich nämlich davon ausgehe, dass alle Eltern in meinem Umfeld ihr Bestes geben, das Beste, das sie haben, um ihrem Kind oder ihren Kindern eine schöne Kindheit zu bescheren. Ich habe ehrlich gesagt auch keine Lust darauf, dass mir meine Freundin beim nächsten Treffen sagt, dass sie mit diesem und jenem in meiner Erziehung nicht einverstanden ist. Dass ich vielleicht zu viel Fleisch zu den Mahlzeiten serviere oder die Kinder doch auch mal allein lassen kann, wenn ich in den Supermarkt fahre. Das entspricht mir nicht und deswegen würde ich solche Tipps eh nicht annehmen können. Weil ich genauso handele, wie ich es mit meinem Bauchgefühl vereinbaren kann. Daran kann und möchte ich nichts ändern. Das heißt nicht, dass ich nicht offen bin für kostruktive Anregungen: Versuch es doch mal so oder so. Gerne! Denk ich drüber nach. Aber mir in einer Konfliktsituation zu sagen, dass ich jetzt ganz falsch reagiert habe: Nein, danke. Und genauso halte ich es mit den Müttern und Vätern in meinem Umfeld. Ich mische mich da nicht ein. Ich versuche, Verständnis zu haben. Ich maße mir nicht an, zu urteilen. Denn ganz ehrlich: Wenn eine Mama im Supermarkt mal lauter wird, weil sie dem trotzenden Kind den Joghurt jetzt nicht kaufen will: Wer kennt die Vorgeschichte? Vielleicht hat das Kind seit fünf Stunden nichts anderes getan als zu essen und zu nörgeln und die Mutter muss jetzt einfach mal kurz einen Schlussstrich ziehen, indem sie sich klar durchsetzt? Wie gesagt: Sobald jemanden wehgetan wird, lass ich nicht mit mir verhandeln. Da greife ich ein. Aber ob meine Freundin ihr Kind nun immer die passenden Söckchen zum Oberteil anzieht oder nicht, das hat mich einfach nichts anzugehen. Jeder Mensch ist anders und hat andere Prioritäten, die mich nichts angehen. Und die jeder so machen können soll, wie es ihm gefällt. Respekt und Akzeptanz sind hier ganz große Wörter. Und Toleranz, die gehört auch noch dazu.

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Was meint Ihr? Darf man sich in die Erziehung einmischen?

 

 

 

Titelbild © Krikelakrak by Nicky Pollmeier

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Katharina
Autor

Katharina und Lisa

Als drittes von fünf Kindern war Katharina immer klar: Sie will selbst auch eine große Familie haben. Mhhhh - doch dann kam zuerst das Studium, eine Ausbildung und schwupps war sie Ende 20, als ihre Tochter geboren wurde. Heute ist sie, Katharina, 33. Im Januar kam Baby Nr. 2 , der Traum von der Großfamilie besteht immer noch. Und weil die ja nicht nur von Luft und Liebe leben kann, arbeite sie als Journalistin mit Themenschwerpunkt... genau: Familie. Lisa ist 32 und beschäftigt sich, seit sie Mutter dreier Kinder ist, natürlich oft und viel mit Familienthemen. Um nicht ihrem gesamten Freundeskreis mit Kinder-Anekdoten zu nerven, schreibt sie in vielen Ecken und Enden des Internets darüber, z.B. bei www.nusenblaten.de oder www.stadtlandmama.de. Mit Kindern, Mann, Großeltern und vielen Tieren lebt sie direkt am Waldrand. Ihre eigene Kindheit verbrachte sie vor allem auf dem Fußballplatz, auf dem ihr Bruder kickte, während sie mit dem Einrad drumherum kurvte... Gemeinsam schreiben Katharina und Lisa unsere Kolumne "Mama-Streit".

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4 Kommentare

  1. Das kenn ich gut, das gefühl das man auch gern mal was sagen und Tipps geben will aber doch lieber den Mund hält weil man die Vorgeschichte nicht kennt. Bei Kindern ab 3 Jahren gelingt es mir sehr leicht das Weinen, Bocken und Jammern zu Ignorieren, auch bei meinem aber sobald ich ein Baby weinen höre würde ich am liebsten hinrennen, das Kleine aus dem Wagen nehmen und der Mutter auf den Bauch legen. Meiner ist jetzt 3,5 Jahre und ganz gut gelungen, liegt aber wohl eher auch daran, das mein Mann und ich uns einig in der Erziehung sind. Auch wenn ich noch viel zu viel diskutiere, was man mit 3jährigen absolut nicht tun sollte, bin ich doch auch Konsequent und setze mich durch. Dazu sollte ich aber auch schreiben, das mein Kind doch sehr oft zugänglich für logische Argumente ist, der schreit nie wenn er keine Schokolade oder Gummibären im Laden bekommt. Er sieht lieber anderen Kindern dabei zu.
    Der Punkt ist doch das ihr Beide recht habt, Fremde Mütter sollte man doch lieber mit Ratschlägen verschonen, es sei denn sie sehen sehr verzweifelt drein. Bei Freunden ist das schon eher anders aber man kann auch mit ihnen absprechen, ab wann man ihnen etwas zu ihrer Erziehungsweise rein reden darf und wann nicht. Und auch welchen Freunden man dieses Recht einräumen möchte, damit es nicht zu Konflikten kommt.

  2. Es ist heikel!!!!
    Einmischen wenn einem Kind vor meinen Augen weh getan wird: JA!!!!! Mit Erziehungstipps um die Ecke kommen: Janein! Es kommt drauf an, ob es sich um eine Freundin handelt, die Kritik verkraften kann und weiss, dass ich sie nicht im Negativen kritisiere oder ob es um eine Mutter geht, die ich nur im Mutter-Kind-Gruppe einmal die Woche treffe. Da geht es eher ums Austauschen. Natürlich hört man da die Geschichten der anderen Mütter an und bezieht das auf sich. Aber es so zu übernehmen oder den anderen Müttern meine Tipps andrehen, würde ich eher zu Nein plädieren. Es ist nun mal so wie es ist, jede Mutter fühlt sich angegriffen, wenn von außen, also Müttern mit denen man selten bis nie Kontakt hat, Tipps kommen oder von Freundinnen, mit denen man auch mal auch mal über einen Nervenzusammenbruch lachen kann, weil das Kind kein Spinat isst. Also sehr dünnes Eis! Ich habe mal die Situation erlebt, dass eine Mutter, selten bis nie Kontakt-Sorte, der Meinung war mir zu sagen wie ich mit meinem Sohn umzugehen habe, der in einer “Ich schlag alle”-Phase steckte (mit 1,4 Jahren). Genau diese Mutter erzählte eine Woche später, dass sie dem Rumnörgeln des Kindes nachgegeben hat, um schließlich ihre Ruhe zu haben. Da stellte sich die Frage: Ist ihr Handeln richtig? Oder mein Bauchgefühl?!?! Und schließlich entscheidet die Mutter bzw. die Eltern nach ihrem Bauchgefühl und ihrem Herzen, wie sie mit Kindern umgehen, denn nur sie kennen ihre Kinder am Besten!
    Liebe Grüße
    A.L.-R.

  3. Also echt, wenn ich einen Rat brauche, frage ich! Genauso mache ich es mit meinen Mit-Müttern: wenn sie etwas besonders toll finden das ich in meiner Erziehung tue, können sie mich jederzeit fragen. Wenn mir etwas widerholt auffällt versuche ich zu beurteilen wie die Mutter ( resp.Vater) sich mit dem Sachverhalt fühlt. Wenn der oder diejenige auf Nachfrage sagt das ein Rat erwünscht ist, gebe ich auch mal initiativ Rat und finde mich jedesmal auf dünnem Eis.
    Wenn mir früher doch einmal etwas ungefragt rausgerutscht ist habe ich mich immer entschuldigt denn ich bin immer davon ausgegangen das ich mich in der gleichen Situation als Beratschlagte vielleicht bevormundet gefühlt hätte.
    Insgesamt bin ich nicht mit Eltern befreundet, wo ich zur Erhaltung des Kindeswohles eingreifen müsste. Die Lücke zwischen meiner Erziehungsauffassung und kindsgefährdendem Verhalten ob physisch oder psychisch erscheint mir einfach zu gross.

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