Mama-Streit: Darf ich als Mutter nochmal so richtig feiern gehen?

18. September 2017

Lisa3_550x330Lisa

Sich wie früher fühlen, sich einfach mal nur um sich selbst kümmern und tun und lassen, was man will. Herrje, ist das schön und besonders! Ich wusste ja als junge Frau noch gar nicht zu schätzen, was es heißt, einfach mal den Moment zu leben – und feiern zu gehen. Heute, als Dreifachmutter, sind solche Momente sehr rar geworden. Und umso mehr versuche ich, sie zu genießen. Einfach mal kein Vorbild sein, Freunden bei Lieblingsliedern in den Armen liegen, auf das Leben anstoßen und mal nicht an den nächsten Morgen denken – bei mir wirkt das besser als jede Wellness-Maßnahme im Luftkurort. Ich liebe Tanzen. Ich liebe Singen. Wie sehr ich das vermisst hatte, fiel mir neulich erst wieder auf, als wir durch Zufall mal wieder an zwei aufeinander folgenden Wochenenden auf Partys eingeladen waren – und auch wirklich hingingen, weil kein Kind krank war, weil der Babysitter endlich mal keine Klausurphase hatte und weil wir Lust hatten.
In meinem Alltag glüht mir oft der Kopf. Ich koordiniere drei Kindern, ich bin berufstätig, bis zum Abend manage ich auch noch den Haushalt, korrigiere Hausaufgaben, besorge Geburtstaggeschenke und fahre von Hü nach Hott, um alle pünktlich zu ihren Hobbys zu bringen und wieder abzuholen. Irgendwann habe ich mal gesagt, dass ich mir einen Radierer fürs Hirn wünsche. Einer, der einfach mal alle To-do-Listen ausblendet, damit ich mal wieder ein bisschen abschalten kann. Und genau diese Radierfunktion haben für mich Ausgeh-Abende mit Freunden. Wenn ich die Kinder in guten Händen weiß, dann kann ich ganz wunderbar abschalten und mich treiben lassen. Ich brauche dann auch keine fünf Minuten ein Update über den Zustand zu Hause. Natürlich musste auch ich lernen, das zuzulassen. Das ist eine Form des Loslassens, die anfangs ungewohnt ist. Aber ich kann aus Erfahrung sagen: Man kann sich daran gewöhnen und es wird von Mal zu Mal leichter. Es hat mit Loslassen zu tun und mit Vertrauen. Und wenn doch mal irgendwas sein sollte, habe ich selbstverständlich auch mein Handy mit. Nur weil ich mal kurz ausbreche aus dem Familienalltag, muss das ja nicht heißen, dass ich aus der Welt bin. Ich gönne das jeder Mama. Diese Freiheit und Selbstbestimmung nochmal zu erleben. Das muss ja nicht auf Partys sein. Das kann ja auch ganz woanders sein. Und wenn das ein Wellnesstempel im Luftkurort ist: bitte sehr. Jede Mama braucht doch auch mal ihre Auszeiten.

The Nachtsheim Session - Part One12.2.2014@ Niels StarnickKatharina

Tja,  da stand ich nun, schick angezogen im coolsten Club der Stadt und spielte innerlich die beiden Varianten durch:
1.    Ich gehe an die Bar, hole mir noch einen Drink. Dann kann ich definitiv nicht mehr selbst Auto fahren, sondern muss mindestens 35 Euro ins Taxi investieren. Und sicherlich nochmal eine Menge Geld in die nächsten Drinks  – denn wenn ich jetzt nicht gehe, stürme ich die Tanzfläche und bleibe bis zum Morgengrauen. Was zur Folge hat, dass der nächste Tag der absolute Horror wird, weil mein Baby gegen 6 wach wird und dann bespaßt werden will.
2.    Ich gehe jetzt nicht an die Bar, sondern zu meinem Auto. Fahre nach Hause und bekomme, wenn ich mich beeile noch 4, 5 Stunden Schlaf, was reicht, um bis zum Mittagsschlaf des Babys auszuhalten.

Früher – da wäre es keine Frage gewesen, welche Option ich nehme. 1.) natürlich und zwar aus vollstem Herzen und noch mehr Überzeugung. Ich habe viel und gerne gefeiert – auch, wenn ich am nächsten Tag ins Büro musste.

Aber irgendwie klappt das nicht mehr so gut, seit ich Kinder habe. Denn ich bin nicht mehr nur für mich selbst verantwortlich  – sondern eben auch für drei kleine Menschen. Die mich brauchen. Und die leider auch unvorhersehbar sind.

Ich erinnere mich noch an meine erste Partynacht nach der Geburt meiner Tochter. Gegen 11 bekam ich eine SMS von meinem Mann. Die Kleine spucke, sei auch ganz heiß, ob ich nicht kommen könnte. Ich weiß noch, wie erschrocken und voller Sorge ich war, schließlich war sie mein erstes Kind und ich etwas übervorsichtig. Das ist heute anders – aber das Gefühl, dass jederzeit ein Kind krank werden kann, ist geblieben. Irgendwie bin ich seitdem mit einer inneren Handbremse unterwegs.

Ein, zwei Mal habe ich mich für die Variante 1 entschieden. Mit grausamen Folgen. Die nächsten zwei Tage waren schlicht der Horror und ich schwor mir, nie wieder so lange und feuchtfröhlich auszugehen. Zumindest nicht, bis die Kids alle drei bei den Großeltern schlafen können.

Manchmal ärgere ich mich über die innere Handbremse, aber dann denke ich mir, dass auch wieder andere Zeiten kommen werden. Und dann wisst Ihr ja, wo Ihr mich findet…. Auf der Tanzfläche – bis zum Morgengrauen.

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SCHLAGWORTE:

Katharina
Autor

Katharina und Lisa

Als drittes von fünf Kindern war Katharina immer klar: Sie will selbst auch eine große Familie haben. Mhhhh - doch dann kam zuerst das Studium, eine Ausbildung und schwupps war sie Ende 20, als ihre Tochter geboren wurde. Heute ist sie, Katharina, 33. Im Januar kam Baby Nr. 2 , der Traum von der Großfamilie besteht immer noch. Und weil die ja nicht nur von Luft und Liebe leben kann, arbeite sie als Journalistin mit Themenschwerpunkt... genau: Familie. Lisa ist 32 und beschäftigt sich, seit sie Mutter dreier Kinder ist, natürlich oft und viel mit Familienthemen. Um nicht ihrem gesamten Freundeskreis mit Kinder-Anekdoten zu nerven, schreibt sie in vielen Ecken und Enden des Internets darüber, z.B. bei www.nusenblaten.de oder www.stadtlandmama.de. Mit Kindern, Mann, Großeltern und vielen Tieren lebt sie direkt am Waldrand. Ihre eigene Kindheit verbrachte sie vor allem auf dem Fußballplatz, auf dem ihr Bruder kickte, während sie mit dem Einrad drumherum kurvte... Gemeinsam schreiben Katharina und Lisa unsere Kolumne "Mama-Streit".

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