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Familienratgeber: Nie mehr Streit um die Hausaufgaben

26. April 2017

Immer Streit um die Hausaufgaben!

„Ich hab‘ nix auf!“ – „Luis, das kann nicht sein. Ihr habt dienstags immer Mathehausaufgaben!“, „Hausaufgaben sind doof! Ich mag lieber spielen“…

Viele Familien kennen das: Kaum ein Kind macht gerne Hausaufgaben und nachmittags spielen sich wahre Dramen ab. Das Kind hat keine Lust, will lieber spielen und die Eltern versuchen zu überzeugen, sie drohen, schimpfen, zetern – bis das Kind endlich missmutig an den Schreibtisch geht. Dann geht es weiter: „Nun fang endlich an!“, „Jetzt konzentrier‘ dich mal!“, „Wie sieht das wieder aus!“, „Trödel nicht so!“ usw. Welche Mutter, welcher Vater hat dies nicht schon mal gesagt. Und Kinder und Eltern sind den Hausaufgabenstress leid.

Warum Hausaufgaben?

Hausaufgaben sind fester Bestandteil von Schule – aber auch nicht unumstritten. Hausaufgaben sollen helfen, das vormittags Gelernte zu üben und zu festigen. Mit zunehmender Klassenstufe sollen die SchülerInnen oft auch Themen selbst erarbeiten und vorbereiten. Einen Effekt haben Hausaufgaben aber nur, wenn sie von den Kindern bewusst und sorgfältig bearbeitet und nicht nur einfach hin- oder abgeschrieben werden. Hausaufgaben können helfen, sich seine Lernportionen selbst einzuteilen, systematisch zu arbeiten und den Stoff in Häppchen zu lernen. Hierzu benötigen Kinder erst einmal Anleitung. Lernwörter für das Diktat, 1×1-Reihen, Englischvokabeln usw. lernen sich besser, wenn sie in kleine Portionen geübt und wiederholt werden. Alles am Tag vor der Abfrage schnell noch auswendig zu lernen hat keine langfristigen Effekte. Und stundenlange Hausaufgaben erzielen natürlich auch keine Wirkung mehr – weswegen es z.B. Empfehlungen für die Hausaufgabendauer im Grundschulalter gibt. Viele Lehrkräfte raten, nach dieser Zeitspanne abzubrechen.

Was kann ich tun, damit Hausaufgaben auch nützen?

Zunächst einmal: Das Kind die Hausaufgaben selbst machen lassen! Das Kind sollte selbst darauf kommen, was es bei einer Aufgabenstellung tun muss und wie es vorgehen soll. Kommt es nicht weiter, darf es fragen. Die Eltern sollten dann mit dem Kind überlegen, was gemeint sein könnte und wie man Schritt für Schritt zur Lösung kommen kann. So hat das Kind ein Erfolgserlebnis und lernt, wie es beim nächsten Mal vorgehen kann, um alleine eine Lösung zu finden.

Oft kann es helfen, mit angenehmeren Aufgaben anzufangen, die mehr Spaß machen oder leichter sind. So startet das Kind eher mit einem Erfolg. Dann bearbeitet es am besten die nicht so beliebten Aufgaben und zum Schluss etwas Angenehmeres als Belohnung. Zu Beginn sollte das Kind selbst überlegen, wie es die Aufgaben für den Tag einteilt und ob es kleine Pausen einbaut (sich räkeln, etwas trinken, sich bewegen).

Eltern sollten dabei motivieren: „Ich weiß, dass Du das schaffst!“, „Toll, das hast Du gut gemacht!“, „Jetzt hast Du schon die Hälfte der Matheaufgaben geschafft!“. Gelobt wird immer für die Anstrengung, dafür dass sich das Kind bemüht – nicht für das Richtige. Und wenn, dann kann man sagen, Du hast 4 Aufgaben richtig – die eine falsche sieht das Kind sowieso. Auf keinen Fall sollte man dem Kind signalisieren, dass man es für unbegabt hält. Denn dann würde ja auch jede Anstrengung und jedes Üben wenig nützen.

Wann ist die beste Zeit für Hausaufgaben?

„Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ zählt natürlich auch hier. Vielen Kindern hilft eine kurze Pause nach der Schule. Dann machen sie ihre Aufgaben und sind oftmals schneller fertig, weil das Spielen, das Hobby oder eine Verabredung wartet. Auch wenn Kinder es oft versprechen: Am Abend nach dem Spielen und ihren Hobbys sind sie oft zu müde. Dennoch sollte jede Familie ausprobieren, wann für ihr Kind die passende Zeit für Hausaufgaben ist.

Und wenn es zu Hause gar nicht geht?

Manchmal ist der Streit um die Hausaufgaben so festgefahren, dass es am besten ist, etwas völlig anders zu probieren. Gibt es vielleicht eine andere Person, die helfen kann? Der größere Nachbarsjunge, die Oma, ein Nachhilfelehrer? Viele Schulen bieten inzwischen auch eine Hausaufgabenbetreuung an. Dort sitzen alle Kinder zur gleichen Zeit an den Hausaufgaben – es gibt weniger Anlass für Ablenkung und Diskussion. Inzwischen gibt es auch Schulen, die im Ganztag Lernzeiten fest einbauen, so dass die Lernzeit am Nachmittag/zu Hause entfällt. Für manche Kinder kann es sinnvoll sein, gezielt eine Schule mit sog. Gebundenem Ganztag zu suchen. Kommt ein Kind überhaupt nicht mit den Hausaufgaben zurecht, kann es gut sein mit den Lehrkräften zu sprechen oder sich in einer Beratungsstelle (z.B. Erziehungsberatung) Tipps geben zu lassen.

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Christiane
Autor

Christiane

Dr. Christiane Alvarez ist Diplom-Psychologin und Mutter von zwei Kindern. In ihre Beiträge fließt die mehrjährige Erfahrung aus der Beratung von Familien, ErzieherInnen und Lehrkräften ein.

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