Mama-Streit: Sollte man jung Kinder kriegen?

15. August 2016

Lisa Lisa3_550x330

Meine Freundin aus Kindertagen ist gerade schwanger, wir beide sind jetzt 34 Jahre alt. Es ist ihr erstes Kind. Und ich muss sagen: Ja, wir Freundinnen fühlen uns auch heute noch richtig jung, wenn wir zusammen sind. Wir albern, lachen über alte Geschichten, es ist wie immer. Was uns unterscheidet: Ich habe vor zehn Jahren mit dem Kinderkriegen begonnen. Mit gerade 24 bekam ich mein erstes Kind, mit 26 war ich bereits Dreifachmutter. Sie also jetzt. Ich habe den direkten Vergleich. Und auch wenn wir uns heute noch so jung fühlen: Es ist ein Unterschied, ob jemand mit 24 oder mit 34 ein Kind bekommt. Beides ist toll und berechtigt, für mich war der Zeitpunkt damals der richtige, für meine Freundin jetzt. Aber ich muss sagen: Nicht durchgeschlafene Nächte stecke ich heute nicht mehr so gut weg, wie damals. Meine Nerven waren damals gefühlt auch stärker als heute. Ich möchte behaupten: Ich war als 24-Jährige eine ziemlich entspannte Mama. Gestillt habe ich mein Baby überall und da meine Freunde noch keine Kinder hatten, gab es da auch keine doofen Vergleiche á la „Mein Kind kann aber schon das und das…“ Hinzu kam, dass ich das Vertrauen hatte, das Kind schon zu „schaukeln“. Ohne mir etliche Ratgeber durchzulesen, vielleicht mögen manche das als naiv bezeichnet, ich nenne es: entspannt. Wird schon werden.

In meinem Alter heute merke ich, dass ich mir um vieles viel mehr Gedanken mache als früher. Dass ich oft nicht einfach mal was mache, sondern vorher abwäge. Ich stelle mir das anstrengend in Bezug auf ein Kind vor und glaube deshalb, dass es eben für mich genau richtig war, so früh Kinder zu bekommen. Das mag für andere anders sein, weil sie vom Typ her anders gestrickt sind. Aber ich habe es als toll empfunden, so jung Mutter zu sein.

Viele glauben ja, dass das Leben vorbei sei, wenn ein Kind kommt. Das halte ich für falsch. Man kann auch gemeinsam wachsen, das Kind und man selbst. Man kann auch mit Kind reisen, das haben wir uns bewiesen. Ich habe sogar nach der Geburt meiner drei Kinder noch einmal studiert, vier Jahre lang gepaukt. Bis zum Abschluss. Das geht! Das Gefühl etwas verpasst zu haben, kenne ich auch nicht. Erstens habe ich vor den Kindern ausgiebig gefeiert und zweitens sind sie heute schon so groß, dass ich wieder ausgehen kann. Einfach herrlich. Und wenn sie dann auf meinem 40. ein Gläschen Bier trinken wollen? Herrje, ja, dann sollen sie das, sie sind ja dann schon zwischen 14 und 16 – und ich hoffentlich immer noch so entspannt…

Katharina The Nachtsheim Session - Part One12.2.2014@ Niels Starnick

Den richtigen Zeitpunkt für ein Kind gibt es wohl nie – und das Leben ist kein Wunschkonzert. Aber jetzt stellen wir uns einfach mal vor, man könnte das Leben planen und eine 18-Jährige würde mich fragen: Soll ich jetzt ein Kind bekommen oder erst Ende Zwanzig/Anfang Dreißig? Dann wäre meine Antwort: „Lass Dir Zeit!“

Ich selbst bin mit 29 das erste Mal Mutter geworden und fand das ein ziemlich perfektes Alter dafür. Warum? Hier meine drei Gründe:

  1. Mehr Selbstbewusstsein: Was ist mir wichtig? Was ist mir für das Kind wichtig? Mit ein paar Jährchen mehr auf dem Buckel hat man bereits einige Höhen und Tiefen erlebt – und ist gestärkt aus ihnen hervor gegangen. Man kann es ertragen, dass nicht jeder einen toll findet. Man ist bereit, mit breiterer Brust für seine Überzeugungen einzustehen und lässt sich nicht so schnell verunsichern. Ein dicker Pluspunkt in der Kindererziehung, wo ja jeder meint, er wüsste es besser als die Mutter selbst.
  2. Mehr Arbeitserfahrung: So gerne ich Mutter bin, so gerne arbeite ich. Ich habe lange in meinem Beruf gearbeitet, habe ein Netzwerk und viele Kollegen, auf die ich zurück greifen kann. Ich glaube, dass mir das beim Wiedereinstieg sehr geholfen hat. Denn wie will man auf etwas aufbauen, wenn man keine Grundlage hat?
  3. Weniger Angst, was zu verpassen: Ich habe unzählige Nächte durchgetanzt. War in den besten Clubs, den schicksten Restaurants. Habe Urlaube gemacht, Galerien besucht, bis mittags geschlafen. Es war eine wunderbare Zeit, ohne Verpflichtungen. Ich habe diese Zeit ganz fest in meinem Herzen. Doch irgendwann dachte ich: Soll das alles sein? Es fiel mir nicht besonders schwer, die Abende auf dem Sofa zu verbringen – ich hatte das Gefühl, da draußen bereits alles zu erkennen, während drinnen bei mir alles neu uns aufregend war. Natürlich kann man das nicht alles pauschalisieren, aber ich kenne Frauen, die jung ihre Kinder bekommen haben – und jetzt das Gefühl haben, ihre „Jugend“ nachholen zu müssen. Dann stylen sie sich auf und gehen mit 22-Jährigen feiern. Oder noch schlimmer: Sie gehen mit ihren Kindern in Clubs.

Ich glaube, alles hat seine Zeit. Und mit 20 wollte ich lieber meine Freiheit genießen, reisen und ausgehen, als Babys herumtragen…

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SCHLAGWORTE:

Katharina
Autor

Katharina und Lisa

Als drittes von fünf Kindern war Katharina immer klar: Sie will selbst auch eine große Familie haben. Mhhhh - doch dann kam zuerst das Studium, eine Ausbildung und schwupps war sie Ende 20, als ihre Tochter geboren wurde. Heute ist sie, Katharina, 33. Im Januar kam Baby Nr. 2 , der Traum von der Großfamilie besteht immer noch. Und weil die ja nicht nur von Luft und Liebe leben kann, arbeite sie als Journalistin mit Themenschwerpunkt... genau: Familie. Lisa ist 32 und beschäftigt sich, seit sie Mutter dreier Kinder ist, natürlich oft und viel mit Familienthemen. Um nicht ihrem gesamten Freundeskreis mit Kinder-Anekdoten zu nerven, schreibt sie in vielen Ecken und Enden des Internets darüber, z.B. bei www.nusenblaten.de oder www.stadtlandmama.de. Mit Kindern, Mann, Großeltern und vielen Tieren lebt sie direkt am Waldrand. Ihre eigene Kindheit verbrachte sie vor allem auf dem Fußballplatz, auf dem ihr Bruder kickte, während sie mit dem Einrad drumherum kurvte... Gemeinsam schreiben Katharina und Lisa unsere Kolumne "Mama-Streit".

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