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Nils’ Fußball-Blog: Nach der Gruppenphase ist vor dem Achtelfinale

24. Juni 2016

Achtelfinale bei einer Fußball-Europameisterschaft. Klingt komisch, ist aber so. Die Gruppenphase ist vorbei und wir blicken voller Zuversicht auf die kommende KO-Runde. Doch was bleibt übrig aus den bisherigen Begegnungen? Erstmals starteten bei einer EM 24 Teilnehmer, worüber im Vorfeld teilweise stark diskutiert wurde. Mein Fazit fällt ein wenig zwiegespalten aus: Das Turnier wurde durch die Aufstockung stark „verwässert“ und bescherte uns die bis dato torärmste EM aller Zeiten. In den bisher 36 Begegnungen fielen lediglich 69 Treffer, was ca. 1,91 Toren pro Spiel entspricht. Andererseits gibt man so kleineren Ländern wie zum Beispiel Island und Wales die Möglichkeit, sich auf der großen Bühne zu präsentieren. Ohne diese Aufstockung wären emotionale Spiele wie das 2:1 Islands gegen Österreich oder das 3:3 Ungarns gegen Portugal nicht möglich gewesen. Ja, der EM mangelt es an Toren, aber ist das wirklich so schlimm? Es ist vollkommen verständlich, dass kleinere Teams erstmal auf Nummer sicher gehen und deswegen sehr defensiv die Partie bestreiten. Mir persönlich haben diese „Exoten“ im Teilnehmerfeld bislang sehr viel Freude bereitet. Ich ertappte mich selber dabei, wie ich nicht nur der deutschen Mannschaft die Daumen drückte, sondern wie ich auch bei den Spielen der vermeintlichen Underdogs gebannt vor dem Bildschirm saß und für sie mitfieberte. Überaus positiv fallen mir vor allem die irischen Fans in Frankreich auf. Ob es nun die Nordiren sind, die überall und so oft es geht ihren Spieler William Grigg besingen oder die Iren, die einfach durch ihre gute Laune und Hingabe für ihre Mannschaft glänzen.

Isländer – überraschend gut

Eine ebenso große Überraschung sind die Isländer. Ein Land, das ungefähr genau so viel Einwohner hat wie Bielefeld, wird sensationell Gruppenzweiter, noch vor Portugal und Österreich. Eben in dieser Gruppe wird Ungarn erster. Dies alles wäre vor der Aufstockung des Teilnehmerfeldes noch unmöglich gewesen. Anders als in der Politik, ist der Brexit bei der EUropameisterschaft nicht eingetreten. Alle teilnehmenden Mannschaften aus dem Vereinigten Königreich sind noch dabei und stellen so manch einen Fußballer vor ungewohnte Probleme. Sollte Wales sein Achtelfinale gegen Nordirland gewinnen, muss der Spieler Joe Ledley wohl oder übel seine Hochzeit verschieben, die eigentlich im Zeitraum des Viertelfinales stattfinden sollte. Aber „Fußball kommt zuerst“ sagte er bereits in einem Interview. Sehr sympathisch der Mann. 🙂

Vor dem Achtelfinale: Noch kein Turnierfavorit

Fakt ist, es hat sich noch keine Mannschaft herauskristallisiert, die ich als Favorit auf den Titel nennen würde! Deutschland startete wie so oft recht unspektakulär und wird sich weiter steigern müssen. Wenn man jedoch eines aus den vorherigen Turnieren gelernt hat, dann dass wir eine Turniermannschaft sind. Zudem zeigt unsere Formkurve nach oben. Zwar nicht sehr steil, aber immerhin. Die Null steht und unsere Offensive erspielte sich gegen ein sehr defensives Nordirland viele Chancen. Diese gilt es nun in den kommenden Partien zu nutzen. Mit den Slowaken haben wir nach der 1:3 Testspielniederlage noch eine kleine Rechnung offen. Aufgrund der damaligen Wetterverhältnisse darf das Ergebnis aber nicht überbewertet werden und ich sehe eigentlich keine Gefahr fürs Viertelfinale. Denn bei allem gebührenden Respekt gegenüber der Slowakei, geht es vermutlich doch erst ab dem Viertelfinale so richtig los für uns: Dann treffen wir auf den Gewinner des Spiels Italien gegen Spanien. In einem möglichen Halbfinale würde dann vermutlich Frankreich oder England auf uns warten. Aber erstmal kleine Brötchen backen und die kommenden Partien überstehen!

Achtelfinale

Was im Achtelfinale auffällt ist, dass sich im „rechten Zweig“ des EM-Spielplans sehr viele Favoriten tummeln. Mit Deutschland (3 x Europameister und 4 x Weltmeister), Spanien (3 x EM, 1 x WM), Frankreich (2 x EM, 1 x WM), Italien (1 x EM, 4 x WM) und England (1 x WM) stehen auf dieser Seite des Tableaus 20 Titel gegenüber Null auf der anderen Seite. Es wird also mindestens ein Underdog das Finale erreichen. Favorisiert sind hier vermutlich Kroatien, Belgien oder Portugal. Beginnen wird das Achtelfinale am Samstag um 15 Uhr die Partie Schweiz gegen Polen. Hier treffen die zwei Minimalisten des Turniers aufeinander. Jedes ihrer Spiele endete 0:0, 1:0 oder 1:1. Danach um 18 Uhr treffen mit Wales und Nordirland direkt zwei Überraschungsteams aufeinander. Die Waliser werden hier wohl als Favorit in die Begegnung gehen, da sie sich in ihrer Gruppe sogar noch vor England auf Platz 1 durchsetzten. Das Abendspiel um 21 Uhr lautet dann Kroatien gegen Portugal. Hier kann man sich vermutlich auf mehrere Tore freuen, da beide Mannschaften eher ihr Potential in der Offensive haben.

Sonntag starten wir den Tag mit dem Gastgeber Frankreich und Irland. Sollte das Spiel in normalen Bahnen verlaufen, darf wohl von einem Weiterkommen der Franzosen ausgegangen werden. Um 18 Uhr sehen wir im Anschluss hoffentlich nicht wie im Testspiel Wasserball, sondern wunderschönen Fußball unserer Mannschaft, ehe der Abend mit dem Spiel Ungarn – Belgien endet. Die Belgier überzeugten im Turnier eher bedingt und somit ist meiner Meinung nach in dieser Begegnung alles offen.

Den letzten Achtelfinaltag läutet dann das Highlight Italien gegen Spanien ein, was vor der EM durchaus ein potentielles Endspiel gewesen wäre. Ich hoffe ja, dass sich hier die Italiener durchsetzen und wir uns in einem möglichen Viertelfinale für die vielen wichtigen Niederlagen an ihnen rächen können! England – Island heißt dann das letzte Match des Achtelfinals. Mein Herz schlägt hier für die sympathische Inselnation, die ihren EM Traum hoffentlich noch ein wenig weiter leben darf und England nach Hause schickt. 😉

Ihr seht, es erwarten uns spannende Spiele. Ich wünsche Euch allen viel Spaß und uns allen endlich EM-würdiges Wetter!

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Nils
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Nils

Nils ist ein Kind der 90er. 1984 in Münster geboren und zwischenzeitlich von seinen Eltern in das eher ländliche Nottuln verschleppt, lebt er nun schon wieder seit ein paar Jahren in der lebenswertesten Stadt der Welt. Bereits seit 2004 arbeitet er bei Ernsting’s family in der IT als Softwareentwickler und gleicht die eher sitzende Tätigkeit in seiner Freizeit mit viel Squash oder diversen längeren Erkundungstouren auf der Leeze (münsteraner Soziolekt für Fahrrad) aus. Neben dem Sport zählt das gemeinschaftliche Fußball schauen, sowie die Erweiterung des Heimkinos und des filmischen Horizontes, zu seinen größten Leidenschaften. Freunde und Arbeitskollegen schätzen an ihm seine immer lockere, lustige und freundliche Art und verzeihen dann auch gerne mal den einen oder andern Nils typischen Spruch.

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