Mama-Streit: Muss ein Kind alleine einschlafen?

15. April 2016

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Schlaf, das ist wohl das Thema, das ich – seit ich Kindern habe – am meisten besprochen, bedacht und diskutiert habe. Als meine Kinder klein waren, stillte ich sie abends immer in den Schlaf. Als ich nicht mehr stillte, hielt ich Händchen.

Besonders mein erstes Kind war eines, das tagsüber so gut wie keine Nähe suchte. Sie wollte nicht einmal an der Straße an die Hand, die saß kaum mal auf unserem Schoß. Sie war sehr eigenständig, von Anfang an. Nur abends, da brauchte sie uns und unsere Nähe. Da forderte sie ein, was sie tagsüber nicht brauchte oder wollte: Nähe.

Nachdem ihre Zwillingsbrüder geboren worden waren und uns Eltern viel in Beschlag nahmen, wurden die Abende länger, sie konnte nicht schlafen. Vor allem nicht ohne uns. Während ich stundenlang bei ihr saß, schrien die Brüder. Es war ein Heckmeck, der mich immer wieder ins Kinderzimmer und wieder raus führte. Kurzerhand entschieden wir: Sie zieht aus ihrem Kinderzimmer zurück in unser Schlafzimmer.

Die Kinder würden ab dann alle zusammen ins Bett gehen und wir könnten für alle gleichzeitig da sein. Und so beließen wir es. Auch, als sie größer wurden und bereits ihre eigenen  Zimmer und Betten hatten. Wir legten uns zusammen hin, lasen vor und während die Kinder einschliefen, las ich, hielt Händchen und begleitete sie.

Ob ich mal kurz Wäsche aufhängen könnte? „Nein, Mama, bleib hier“. Ob ich mal kurz noch im Flur Dinge zusammenlegen dürfte? „Nein, Mama, wir haben Angst.“ Also blieb ich. Und wenn sie schliefen, trug ich jeden Einzelnen ins eigene Bett. So kannten sie es von Anfang an. Deswegen wundert es sie nicht, wenn sie nachts oder morgens in einem anderen Bett aufwachen.

„Wenn sie alt genug sind, werden sie schon nicht mehr in Mamas Bett einschlafen wollen.“ Solche Sprüche liest man und hört man immer wieder. „Irgendwann sagen sie selbst, dass sie lieber allein einschlafen möchten“. Ich bin gespannt. Denn wenn ich ehrlich bin, schlafen die Kinder noch immer nicht ohne mich oder ihren Papa ein. Sie brauchen die Begleitung. Und wenn sie sie eben brauchen, dann sollen sie sie auch kriegen. Selbst wenn das bedeutet, dass ich den nächsten „Tatort“ schon wieder verpasse.

Katharina The Nachtsheim Session - Part One12.2.2014@ Niels Starnick

Bevor man Mutter wird, nimmt man sich tausend Dinge vor, die man unbedingt machen will oder auf gar keinen Fall machen will. Die meisten Vorsätze lösen sich ganz schnell in Luft auf, weil jedes Baby anders ist. Eine Sache habe ich allerdings durchgehalten: Meine Kinder haben gelernt, alleine einzuschlafen.

Das war und ist mir extrem wichtig. Warum? Weil ich abends ein paar Stunden für mich, meine Ehe oder Freunde brauche. Ich brauche einen festen Feierabend, Ruhe, Zeit für mich. Wenn eine Mutter dieses Bedürfnis offen äußert, wird sie schnell als egoistisch abgestempelt. Ich aber bin der Meinung, dass wir Mütter diese Ruhezeiten brauchen, um neue Kraft zu schöpfen.

Natürlich lege ich mich zu meinen Kindern, wenn sie krank sind oder wenn etwas Außergewöhnliches passiert ist. Sind alle gesund und munter, lege ich sie allerdings wach in ihre Betten, wir singen oder lesen ein Buch, dann gehe ich aus dem Zimmer – nun ist Schlafenszeit.

Natürlich klappte das Alleine-Einschlafen nicht von heute auf morgen. Man braucht Geduld, Vertrauen in das Kind und Mut.

Als meine Kinder ungefähr 9 Monate alt waren, habe ich mit dem Schlafritual begonnen. Nach dem Gute-Nacht-Fläschchen und vielen Küssen, habe ich sie ins Bett gelegt, ihnen eine gute Nacht gewünscht und bin aus dem Raum gegangen. Ich habe mich vor die Tür gesetzt und gewartet. Wenn mein Kind geweint hat, bin ich sofort wieder ins Zimmer, habe es gestreichelt, mit ihm gesprochen, es beruhigt. Dann bin ich wieder aus dem Raum. Diese Prozedur dauerte schon mal eine Stunde und zog sich über zwei Wochen.

Manchmal gab es Rückschritte und ich saß doch wieder am Bett und habe Händchen gehalten. Am nächsten Abend habe ich unser altes Ritual wieder begonnen. So lernten die Kinder behutsam, dass ich SOFORT da bin, wenn sie weinen und es keinen Grund gibt, sich alleine zu fühlen.

Ich halte nichts von Schlaf-Programmen, bei denen die Kinder stundenlang schreien gelassen werden. Das habe ich nie getan und würde es nie tun.

Ich glaube aber daran, dass Kinder alleine einschlafen können, wenn sie sich sicher und geborgen fühlen. Dazu brauchen sie nicht unbedingt die Mutter neben sich im Bett, sondern viel mehr die Gewissheit, dass Mama in der Nähe ist und in wenigen Sekunden am Bettchen steht, sollte etwas sein.

Unsere Gastbloggerin Janina hat sich auch schon mit dem heiklen Thema Einschlafen befasst: Kennt Ihr schon Ihre Tipps und Tricks zum Thema Schlafen lernen für Babys?

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SCHLAGWORTE:

Katharina
Autor

Katharina und Lisa

Als drittes von fünf Kindern war Katharina immer klar: Sie will selbst auch eine große Familie haben. Mhhhh - doch dann kam zuerst das Studium, eine Ausbildung und schwupps war sie Ende 20, als ihre Tochter geboren wurde. Heute ist sie, Katharina, 33. Im Januar kam Baby Nr. 2 , der Traum von der Großfamilie besteht immer noch. Und weil die ja nicht nur von Luft und Liebe leben kann, arbeite sie als Journalistin mit Themenschwerpunkt... genau: Familie. Lisa ist 32 und beschäftigt sich, seit sie Mutter dreier Kinder ist, natürlich oft und viel mit Familienthemen. Um nicht ihrem gesamten Freundeskreis mit Kinder-Anekdoten zu nerven, schreibt sie in vielen Ecken und Enden des Internets darüber, z.B. bei www.nusenblaten.de oder www.stadtlandmama.de. Mit Kindern, Mann, Großeltern und vielen Tieren lebt sie direkt am Waldrand. Ihre eigene Kindheit verbrachte sie vor allem auf dem Fußballplatz, auf dem ihr Bruder kickte, während sie mit dem Einrad drumherum kurvte... Gemeinsam schreiben Katharina und Lisa unsere Kolumne "Mama-Streit".

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