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Der Familienratgeber: Ist mein Kind schulfähig?

16. Februar 2016

Lena spielt seit Wochen mit ihren Puppen und Kuscheltieren Schule. Sie freut sich sehr, dass sie bald ein Schulkind sein und dann endlich lesen lernen wird. Lukas dagegen ist da zurückhaltender. Er hat einen großen Bruder, von dem er immer wieder hört, dass Schule anstrengend sei und Hausaufgaben blöd. Lenas und Lukas Eltern fragen sich, wie es ihren Kindern in der Schule ergehen wird. Wird Lena enttäuscht sein, dass Schule auch mal anstrengend ist? Wird Lukas Spaß am Lernen finden? Und werden die Kinder die Anforderungen in der Schule bewältigen?

Mit der Schule beginnt ein neuer Abschnitt im Leben eines Kindes. Im Kindergarten gibt es noch recht viele Freiheiten, die Schule stellt dagegen klare Anforderungen an die Kinder: früh aufstehen, pünktlich zur Schule kommen, mitarbeiten, etwas tun, auch wenn man eigentlich gerade lieber etwas anderes machen würde usw. Was braucht ein Kind eigentlich, um fit für die Schule zu sein und den Übergang gut zu schaffen?

Wie wird Schulfähigkeit festgestellt?

Kinder werden vor der Einschulung heute von verschiedenen Personen auf ihre Entwicklung hin angeschaut. Beim Kinderarzt steht mit 5 Jahren die Vorsorgeuntersuchung U9 an, bei der auch auf die motorische Entwicklung (Bewegung, Haltung; Zeichnen), die Sprachentwicklung sowie die geistige Entwicklung geachtet wird. Hier kann frühzeitig festgestellt werden, ob ein Kind Förderbedarf vor der Einschulung hat.

Das Verfahren zur Einschulung ist nicht überall einheitlich. Bestandteile können sein:

  • Eine medizinische Einschulungsuntersuchung beim Gesundheitsamt
  • Eine Untersuchung durch die Schule (z.B. die Schulleitung) bzw. ein Kennenlerntermin
  • Eine Einschätzung des Kindes durch die Erzieherinnen im Kindergarten.

Bei diesen Untersuchungen und Beobachtungen wird auf verschiedene Gesichtspunkte geachtet, die zeigen, ob ein Kind den Schulalltag voraussichtlich bewältigen wird: die Schulfähigkeit.

Was bedeutet schulfähig?

Schulfähigkeit setzt sich aus verschiedenen Aspekten zusammen.

Körperliche Entwicklung: Ein Kind sollte körperlich in der Lage sein, den Vormittag in der Schule zu bewältigen, seine Schultasche zu tragen, sich alleine anziehen können, dem Alter entsprechend beweglich sein (Grobmotorik).

Außerdem sollte es ausschneiden können, einen Stift halten und ausmalen können (Feinmotorik). Kann es dies, hat es gute Voraussetzungen, Schreiben zu lernen.

Geistige Entwicklung: Ein Schulkind sollte sich einfache Texte (z.B. ein Lied) merken können, sich recht flüssig ausdrücken können (z.B. eine kurze Geschichte/Begebenheit wiedergeben können), Zusammenhänge erkennen (z.B. Gegenstände der Größe oder Form nach ordnen) können. Die deutsche Sprache sollte ausreichend verstanden und gesprochen werden, damit das Kind im Unterricht mitarbeiten kann.

Lernbereitschaft: Wichtig ist auch die Bereitschaft, Neues zu entdecken und kennenzulernen sowie die Fähigkeit, sich eine gewisse Zeit auf eine Aufgabe konzentrieren zu können. Auch sollte das Kind ein ausreichendes Durchhaltevermögen haben, um eine Aufgabe zu Ende zu bringen, und nicht gleich bei Schwierigkeiten aufgeben.

Emotionale Entwicklung: Wie geht Ihr Kind damit um, wenn einmal etwas nicht klappt, es beim Spiel verliert oder es nicht als Erstes dran ist? Auch dies sind wichtige Fähigkeiten, die ein Kind in der Schule benötigt.

Soziale Entwicklung: Kann ihr Kind sich in einer neuen Gruppe zurecht finden, Kontakt zu neuen Personen aufnehmen und sich von den Eltern trennen? Kann es sich an die Regeln einer Gruppe halten? Kann es mit Streit umgehen und Konflikte friedlich lösen und auch einmal einen Kompromiss schließen? Um dies zu können, muss man auch wissen, was man selbst möchte und dies auch sagen.

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Was kann ich tun, um mein Kind zu unterstützen?

Nicht jedes Kind erfüllt alle Aspekte von Schulfähigkeit. In einem Einschulungsjahrgang sind Kinder unterschiedlichen Alters mit unterschiedlichen Persönlichkeiten. Daher sind sie in ihrer Entwicklung auch verschieden weit. Gibt es einzelne Bereiche, in denen geringer Unterstützungsbedarf besteht, so spricht dies oft nicht gegen eine Einschulung. Vor und während der Schulstartphase können Eltern ihre Kinder gezielt fördern, indem sie genau das üben, was das Kind noch braucht: sich bewegen; Gruppen besuchen (wie Sportgruppe), auch wenn man schüchtern ist oder noch Schwierigkeiten hat, Regeln zu akzeptieren; viel malen, basteln, kneten, backen o.ä., wenn es mit der Fingergeschicklichkeit noch hapert; gemeinsam Brettspiele spiele, wenn das Verlieren noch schwerfällt. Nicht nötig ist es dagegen, dem Kind schon Buchstaben oder das Rechnen beizubringen.

Es hilft Kindern, wenn sie die zukünftige Schule schon kennenlernen: Hat die Schule einen Schulbesuchstag, Kennenlerntag, ein Schulfest oder Tag der Offenen Tür? Gibt es Kinder im Umfeld, die schon die Schule besuchen und etwas aus dem Alltag in der Schule erzählen können? Gibt es Kinder, die auch die Schule oder Klasse besuchen werden?

Und wenn die Schwierigkeiten größer sind?

In einigen Fällen wird auch zu professioneller Unterstützung geraten wie z.B. Ergotherapie (Motorik; Beweglichkeit, Gleichgewicht, Fingergeschicklichkeit etc.), Logopädie (Sprachförderung) o.a. Dies dient dazu, gezielt vor der Schule Entwicklungsrückstände nachzuholen.

Manche Kinder brauchen mehr Unterstützung. Daher wird für sie eine zusätzliche sonderpädagogische Überprüfung und Unterstützung empfohlen. Hier sind die Verfahrensweisen in den Bundesländern unterschiedlich. Im Rahmen der Inklusion ist es jedoch heute bundesweit ein (mehr oder weniger umgesetztes) Ziel, möglichst auch Kinder mit besonderem Förderbedarf in allgemeinbildenden Schulen mit besonderer Begleitung und Unterstützung zu beschulen.

In manchen Fällen können Kinder auch vom Schulbesuch beurlaubt oder zurückgestellt und ein Jahr später eingeschult werden, auch hier gibt es Unterschiede zwischen den Bundesländern. Teilweise gibt es für diese Kinder auch besondere Angebote, um sie auf die Schule vorzubereiten (Schulkindergarten, Vorschulklasse o.ä.).

Kinder, die schon früh schulreif sind, können auf Antrag als „Kann-Kinder“ früher eingeschult werden. Auch hier gibt es unterschiedliche Regelungen und Stichtage in den Bundesländern.

Muss ich mir Sorgen machen, wenn mein Kind nicht alles schon perfekt erfüllt?

Kinder sind sehr unterschiedlich in ihrer Entwicklung. Daher sind auch die Kinder in einer Grundschulklasse sehr verschieden. Manche sind in bestimmten Bereichen schon sehr weit und bekommen vielleicht schon schwierigere Aufgaben, um sich nicht zu langweilen, andere brauchen besondere Hilfe, um zurecht zu kommen. Es hilft immer, sich auszutauschen, ErzieherInnen, Lehrkräfte und alle, die das Kind kennen, nach ihrer Einschätzung zu fragen und Hilfsangebote abzusprechen und zu nutzen. Unterstützen Sie ihr Kind, wo es noch Bedarf hat, loben Sie es für sein Bemühen und erkennen sie seine Stärken und Talente an. Dann wird es selbstbewusst und lernbereit in die Schule gehen.

Seid Ihr Zeuge von Mobbing geworden oder wird Euer Kind in der Schule gemobbt? Lest in unserem Familienratgber, woran Ihr Mobbing erkennt und wie Ihr Euch wehren könnt.

Christiane
Autor

Christiane

Dr. Christiane Alvarez ist Diplom-Psychologin und Mutter von zwei Kindern. In ihre Beiträge fließt die mehrjährige Erfahrung aus der Beratung von Familien, ErzieherInnen und Lehrkräften ein.

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