Mama-Streit: Haustiere – ja oder nein?

21. August 2015

 

Katharina The Nachtsheim Session - Part One12.2.2014@ Niels Starnick

Es gibt ja Eigenschaften, die einen sofort als schlechten Menschen abstempeln. Nicht besonders tierlieb zu sein, gehört dazu. Es tut mir leid, aber ich habe einfach kein besonderes Faible für Tiere. Zu meiner Verteidigung: Ich bin höchst allergisch gegen Katzen- und Pferdehaare. Aber auch Hunde, Meerschweinchen, Hasen oder Mäuse finde ich im besten Fall ganz ok. Fische und Vögel öden mich an, vor Insekten aller Art ekel ich mich. Ich glaube, es verwundert keinen, wenn ich sage, dass wir kein Haustier haben. Und auch niemals eins haben werden, ganz egal wie sehr meine Kinder darum flehen werden. Denn ich weiß genau, was Kinder alles so erzählen, wenn sie unbedingt ein Haustier haben wollen. Ich habe das vor langer Zeit alles selbst meiner Mutter erzählt. Denn ja: Natürlich wollte ich als Kind auch eins. Weil alle meine Freundinnen eins hatten. Und nach wochenlangem Geheule kaufte mir meine Mutter zwei Mäuse. Eigentlich hatte sie dem Thema abgeschworen, nachdem mein großer Bruder seine Fische eines Tages zum Zählen auf den Schreibtisch legte – und dort vergaß. Wir hatten auch mal eine Schildkröte, für die wir sogar ein Außengehege gebaut hatten. Das allerdings hatte irgendwo ein Loch – und Schildi ging für immer auf Wanderschaft. Trotz dieser Erfahrungen ließ sich meine Mutter breit quatschen. Die ersten Wochen erinnerte ich mich ganz genau an meine Versprechen, mistete den Käfig regelmäßig aus, sorgte für Wasser und Futter. Dann stellte sich heraus, dass die Mäuse doch nicht das gleiche Geschlecht hatten und schenkten uns Mäusenachwuchs. Nach anfänglichen „Ahhhs“ und „Wie süüüß“ stellten wir schnell fest, dass acht Mäuse mehr Dreck machen als zwei. Und nach wenigen Wochen lagen erneut Babys im Käfig. Meine Mutter beschloss, dem Fortpflanzungszirkus ein Ende zu bereiten und brachte die Tiere in die Zoohandlung. Auch oder vor allem, weil ich inzwischen die Lust verloren hatte. Tausend Dinge waren wichtiger, als mich um die Mäuse zu kümmern. Der Käfig roch meist ungut und hätte meine Mutter nicht für Wasser und Futter gesorgt – wer weiß… Ich habe einfach kein Tierlieb-Gen in mir und da eine gewisse Chance besteht, dass ich dieses Gen vererbt habe, wird es keine Haustiere bei mir geben. Ab und zu ertappe ich mich dabei, wie ich meine Tochter tagträumend dabei beobachte, wie sie mit einem treuen Hund Abenteuer besteht oder mit einem wilden Pferd in den Abendhimmel reitet. Dann schüttel ich mich und mache mir klar, wie viele Einschränkungen so ein Tier bringt. Wer passt auf es auf, wenn wir verreisen? Wer geht mit dem Hund Gassi? Wer macht das Katzenklo sauber? „Aber Kinder lernen durch Tiere Verantwortung zu übernehmen“, sagen meine Freunde oft. Ich sage: Verantwortung können sie bei ihren Geschwistern und Freunden übernehmen. Und wenn sie doch mal mit einem Tier herumtollen wollen, schicke ich sie zur Nachbarin. Die hat nämlich zwei Hunde.

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Tiere sind toll. Sie sind treu, viele sind weich und ja – man kann sie wirklich lieben. Nicht umsonst werden Tiere in der Therapie eingesetzt, Kaninchen zum Streicheln in der Altenpflege, Hunde in Kitas, Pferde in integrativen Reitgruppen und Delphine für bewegungseingeschränkte Kinder. Jedem einsamen Menschen auf dieser Welt würde ich einen Hund wünschen, der mit dem Schwanz wedelt und sich freut, wenn man nach dem Einkauf zurück nach Hause kommt. Tiere sind einfach unheimlich treue Begleiter. Ich bin mit Tieren groß geworden, man hört es vielleicht. Ich komme – zumindest väterlicherseits – aus der tierfreundlichsten Familie, von der ich je gehört habe. Dabei meine ich nicht das anonyme Unterzeichnen von fernen Petitionen in Sachen Tierschutz, sondern den konkreten Kontakt zu lebenden Wesen, die keine Menschen sind. In meiner Kindheit hatten wir einen Hund, wir hatten Katzen, zwei Esel, zwei Miniponys, Gänse, Enten, Fische, Hasen – und ein Schwein. Mit Ausnahme des Schweines durften bei uns immer alle Tiere überleben. Bis sie alt wurden – oder vom Fuchs geholt. Was habe ich geweint, als unser Eselfohlen starb! Ich war noch in der Grundschule und sollte in der Trauer ein Diktat schreiben: Es wurde die einzige Fünf meiner Grundschulzeit! Nach dem Abitur lebte ich elf Jahre in Berlin, ich hatte dort keine Tiere. Ich war viel unterwegs, das erste Studium, die ersten Jobs, Verliebtheiten und das in einer Einzimmerwohnung. Das war kein tierfreundliches Leben. Doch mit unseren drei Kindern zogen wir zurück aufs Land. Und wenn schon Land, dann auch richtig, finde ich. Wir leben hier zusammen mit zwei Hunden, einer Katze, zwei Kaninchen, zwei Ziegen, zwei Gänsen, mehreren Enten und Hühnern. Es ist ein großes Haus und wir sind nicht die einzigen Bewohner. Sprich: Wir können auch mal in den Urlaub fahren, die Tiere sind versorgt. Ein Traum! So traumhaft, dass ich schon wieder beginne, von weiteren Tieren zu träumen. Einem Pony zum Beispiel. Wenn das nämlich nur halb so verwöhnt würde wie unsere Ziegen, die morgens und abends frisch geschnippelte Äpfel und Möhren bekommen, wenn es nur halb so lieb gehabt würde wie unsere Hunde, die sich vor kraulenden Händen nicht retten können (und nachts heimlich bei Opa im Bett schlafen dürfen), dann wäre das ein Ponyparadies hier bei uns. Einzig den Papa müssten wir überzeugen. Der ist nämlich mit der Devise ausgewachsen, Tiere seien nicht zum Knuddeln, sondern zum Essen da. Er hat sich also noch nie den Kummer von einem Kater wegschnurren lassen. Wie schade! Aber das wird noch. Schließlich lebt er hier bei uns und mit uns. Und bei den Kindern hat das mit der Übertragung der Tierliebe schon geklappt…

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SCHLAGWORTE:

Katharina
Autor

Katharina und Lisa

Als drittes von fünf Kindern war Katharina immer klar: Sie will selbst auch eine große Familie haben. Mhhhh - doch dann kam zuerst das Studium, eine Ausbildung und schwupps war sie Ende 20, als ihre Tochter geboren wurde. Heute ist sie, Katharina, 33. Im Januar kam Baby Nr. 2 , der Traum von der Großfamilie besteht immer noch. Und weil die ja nicht nur von Luft und Liebe leben kann, arbeite sie als Journalistin mit Themenschwerpunkt... genau: Familie. Lisa ist 32 und beschäftigt sich, seit sie Mutter dreier Kinder ist, natürlich oft und viel mit Familienthemen. Um nicht ihrem gesamten Freundeskreis mit Kinder-Anekdoten zu nerven, schreibt sie in vielen Ecken und Enden des Internets darüber, z.B. bei www.nusenblaten.de oder www.stadtlandmama.de. Mit Kindern, Mann, Großeltern und vielen Tieren lebt sie direkt am Waldrand. Ihre eigene Kindheit verbrachte sie vor allem auf dem Fußballplatz, auf dem ihr Bruder kickte, während sie mit dem Einrad drumherum kurvte... Gemeinsam schreiben Katharina und Lisa unsere Kolumne "Mama-Streit".

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