Mama-Streit: Darf ich die Wahl der Freunde meines Kindes beeinflussen?

25. April 2015

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„Also mein Gustav-Xaver spielt nicht mit der Shanaia Flower, wo kämen wir denn dahin?“ Das wäre doch ein schöner Einstiegssatz für eine Mütter-Satire, oder? Dieser Satz ist selbstverständlich im echten Leben nie gefallen – also zumindest in meinem Umfeld nicht. Und wenn er doch gefallen wäre: Ich hätte die Nase gerümpft. Denn wenn ich ehrlich bin, finde ich: Kinder sollen spielen, mit wem sie mögen! Wer als Eltern wie ein Türsteher die Gästeliste der Kinder verwaltet, der beschränkt sie doch unnötig, oder? Und nimmt ihnen die Chance, ganz unterschiedliche Eindrücke und Erfahrungen zu sammeln. Natürlich gibt es Kinder, die mir als Mutter sympathischer sind als andere. Und natürlich gibt es auch Eltern, die mir sympathischer sind als andere. Aber ICH muss ja schließlich nicht mit diesem Kind – oder mit diesen Eltern – den Nachmittag verbringen. Das Schöne ist ja: Diese Menschen, mit denen mein Kind Kontakt hat, die hätte ich ohne meine Kinder wohl nie kennengelernt. Und wer weiß: Vielleicht ist Shania Flower ja auch einfach ein viel herzlicheres Kind als der Gustav-Xaver, denn an Namen kann man den Charakter nun wirklich nicht festmachen, auch wenn mir dauernd dieser doofe Spruch begegnet, Kevin sei kein Name, sondern eine Diagnose. Wie untolerant! Wie abwertend.

„Aber würdest Du Dein Kind in eine vergammelte Hütte zu ungepflegten Leuten geben“, höre ich meine Kritiker nun schon murmelnd fragen. Tja, würde ich? Es gibt Dinge, die ich mir angenehmer vorstelle. Aber: Ich vertraue meinen Kindern und ihrer Wahl. Und wenn meine Kinder sich einen Freund aussuchen, dann weil sie ihn nett und sympathisch finden. Und wenn ich ein komisches Gefühl habe, was die Eltern oder die Wohnverhältnisse angeht, dann kündige ich mich einfach mit an und bleibe den ersten gemeinsamen Spiel-Nachmittag dabei, um mir selbst ein Bild zu machen. Und dann werde ich positiv überrascht oder negativ. Positiv, weil es viel netter war als gedacht. Negativ, weil es vielleicht wirklich nicht so schön war für die Kinder. Aber das merkt dann ja auch mein Kind und möchte beim nächsten Mal vielleicht wieder woanders spielen. Nur so kann es doch Unterschiede kennenlernen und in Vielfalt aufwachsen. Und Vielfalt ist etwas, das mir wirklich wichtig ist. Auch und besonders für meine Kinder.

Katharina The Nachtsheim Session - Part One12.2.2014@ Niels Starnick

Es gibt Dinge im Leben einer Mutter, die Mut und eine klare Überzeugung bedürfen, weil man weiß, dass es unangenehm werden kann. Dazu gehört die Tatsache, die Freundschaften der Kinder mitzulenken. Für mich ist es definitiv der leichtere Weg, zu sagen: „Ich lasse meine Kinder ganz alleine entscheiden, mit wem sie spielen wollen“, als unbequem zu sein und zu entscheiden: „Ich möchte nicht, dass dieses Kind Einfluss auf mein Kind hat.“

Was stimmt: In dem Alter, in dem sich die lieben Kleinen noch die Sandschaufeln über den Kopf hauen, ist es wahrscheinlich ziemlich egal, mit wem sie in der Buddelkiste sitzen. Allerdings bemerke ich jetzt schon bei meiner vierjährigen Tochter, dass die einzelnen Kinder aus der Kita unterschiedlichen Einfluss haben. Da gibt es Mädchen, mit denen sie friedlich spielt und Mädchen, mit denen es sofort Ärger gibt. Ich beobachte, dass meine Tochter danach leicht aggressiv ist, bockig und vorlaut. „Die Frau da vorne ist ne fette Schnepfe“, sagte sie letztens auf dem Weg nach Hause. Ich dachte, ich höre nicht richtig. „Weiß Du überhaupt, was eine fette Schnepfe ist?“, fragte ich sie. „Nö, aber das sagt Elli (Name natürlich geändert) immer“, antwortete sie. Nun kann man jetzt sagen, dass Schnepfe nicht das Horror-Wort schlechthin ist, aber wo Schnepfe ist, sind andere SCH-Wörter nicht weit. Ich merke, dass diese Elli eine Faszination auf meine Tochter ausübt, weil sie so vieles Verbotenes weiß. Das kann ich während der paar Stunden, in denen sie zusammen in der Kita sind, nicht ändern. Aber ich kann dafür sorgen, dass der Einfluss zu Hause nicht weiter geht und lade sie deshalb nicht zu uns ein. Ich möchte, dass sie so viel wie möglich mit den Kindern spielt, bei denen ich merke, dass es zu Hause ähnliche Werte gibt wie bei uns. Ich würde natürlich nie eine Freundschaft aus Nichtigkeiten unterbinden, etwa wegen eines Namens (wie von Lisa Kevin angeführt) oder weil die Mama kein Putzteufel ist. Aber es gibt nun mal Kinder (und auch deren Eltern), mit denen ich nicht warm werde. Wo ich den Umgangston nicht gut finde oder schlicht die Befürchtung habe, dass sie meiner Tochter Sachen beibringen, die ich nicht mag.

Als Mütter lenken wir gerade zu Anfang wichtige Dinge im Leben der Kinder. Wieviele Süßigkeiten dürfen sie essen, wie viel TV gucken. Schicke ich sie zum Tanzen oder in die Musikschule? Kleide ich sie stets in pink oder achte ich darauf, dass sie auch noch andere Farben tragen? Bringe ich ihnen bei, höflich DANKE und BITTE zu sagen. Dieses „Auf den richtigen Weg bringen“ ist bei den meisten Familien ganz normal. Wieso sollte ich dann meinem Erziehungsauftrag bei etwas so Prägendem wie Freundschaften nicht nachkommen?

SCHLAGWORTE:

Katharina
Autor

Katharina und Lisa

Als drittes von fünf Kindern war Katharina immer klar: Sie will selbst auch eine große Familie haben. Mhhhh - doch dann kam zuerst das Studium, eine Ausbildung und schwupps war sie Ende 20, als ihre Tochter geboren wurde. Heute ist sie, Katharina, 33. Im Januar kam Baby Nr. 2 , der Traum von der Großfamilie besteht immer noch. Und weil die ja nicht nur von Luft und Liebe leben kann, arbeite sie als Journalistin mit Themenschwerpunkt... genau: Familie. Lisa ist 32 und beschäftigt sich, seit sie Mutter dreier Kinder ist, natürlich oft und viel mit Familienthemen. Um nicht ihrem gesamten Freundeskreis mit Kinder-Anekdoten zu nerven, schreibt sie in vielen Ecken und Enden des Internets darüber, z.B. bei www.nusenblaten.de oder www.stadtlandmama.de. Mit Kindern, Mann, Großeltern und vielen Tieren lebt sie direkt am Waldrand. Ihre eigene Kindheit verbrachte sie vor allem auf dem Fußballplatz, auf dem ihr Bruder kickte, während sie mit dem Einrad drumherum kurvte... Gemeinsam schreiben Katharina und Lisa unsere Kolumne "Mama-Streit".

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