Samstagskolumne: Landflucht? Nicht mit mir!

21. Februar 2015

Ein Plädoyer für die Wiesen und Wälder

Heute will ich einmal das tun, was ich schon längst einmal hätte tun sollen. Farbe bekennen und meine Flagge hissen. Und zwar auf dem platten Land, zwischen Kühen und weiten Feldern. Ich möchte an dieser Stelle eine Lanze für das Landleben brechen. Ich weiß, dass eben dieses nicht immer einfach ist und auch organisatorisches Geschick voraussetzt, dennoch würde ich es nicht missen wollen.

Home is where your heart is

Mittlerweile bin ich rum gekommen. Ich habe in verschiedenen Städten und verschiedenen Ländern gelebt. Der Ort, der mir trotzdem am besten gefällt, zählt rund 5.000 Einwohner und eine beträchtliche Menge Schafe und Kühe. Es gibt einen Dorfplatz, der mit großem Tam Tam eröffnet wurde, und dennoch kaum der Rede wert ist. Heimat wird hier groß geschrieben und selbstverständlich ebenso die Nachbarschaftshilfe. Es wird regelmäßig ein Schützenpaar gewählt, gekränzt und gefeiert.

Als ich das einmal Leuten aus der Stadt erzählt habe, haben die mich verdutzt angeschaut. Auch das Konzept der Dorfdisco haben sie nicht verstanden. Ich solle doch lieber in irgendeinen Klub gehen.

Schade, wenn man nicht den Zauber versteht, den ein paar Bier und die immer gleichen Lieder auf jemanden ausüben können. Für mich persönlich gibt es kein Halten mehr, wenn der DJ endlich die lang ersehnten Hits wie ‚Summer of 69‘ oder die Backstreet Boys auflegt. Jeder im Zelt weiß, dass diese Lieder früher oder später gespielt werden, aber keiner stört sich daran. Ganz im Gegenteil. Plötzlich wird das Dorf zu einer einzigen, begeisterten Masse.

Irgendwie ist es genau das, was den Reiz ausmacht. Die Gemeinschaft, das Gefühl, hier gut aufgehoben zu sein. Natürlich bringt das auch das ‚Jeder kennt jeden‘-Problem mit sich. Schnell machen Gerüchte die Runde und werden auch fleißig nach dem stille Post Prinzip verfälscht.

Allerdings gibt es auch die andere Seite der Medaille, nämlich wenn Nachbarn einem nach bestem Wissen und Gewissen helfen. Wenn Sie sich bereit erklären, für die Oma einkaufen zu gehen. Einen mit in die nächste Stadt nehmen, oder einfach so zum Grillen einladen.

Weite so weit das Auge reicht

Für mich persönlich spielt aber auch die Weitläufigkeit des Landes eine große Rolle. Klar ist es auch schön, in Münster zu spazieren, aber irgendwie hat man doch immer den Eindruck einen Shoppingbummel zu machen. Außerdem kommt einem dauernd irgendwer entgegen.

Nicht so auf dem Land. Felder und Wiesen erstrecken sich vor einem und außer einer sporadischen Kuh oder einem Hunde-Halter Gespann, das natürlich freundlich gegrüßt wird, ist hier weit und breit keiner in Sicht. Wenn ich eine Runde durch mein Dorf laufe, komme ich total zur Ruhe und kann ganz meinen Gedanken nach hängen.

„Schuster, bleib bei deinem Leisten“

Etwas, das allerdings wirklich schwer zu bewerkstelligen ist, ist der Zuzug in ein neues Dorf. Ich habe das am eigenen Leib erfahren. Wenn man sich nicht ehrenamtlich oder in einem der mannigfaltigen Vereine engagiert, dann hat man kaum eine Chance, dort Anschluss zu finden.

Deshalb zieht bitte nach meinem optimistischen Artikel nicht gleich alle aufs Land. Landleben ist nicht für jeden etwas.

Wo fühlt ihr euch daheim? In der Stadt oder auf dem Land? Habt Ihr Landflucht begangen? Teilt uns Eure Erfahrungen mit.

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Kennt Ihr schon die Kolumne von Kim zum Hotel-Mama?

Bild: © doris oberfrank-list

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Kim
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Kim

‚Ein Landei, wie es im Buche steht.‘, so könnte man Kim wohl beschreiben. Aufgewachsen in ländlicher Idylle, findet sie das schön, was viele wohl eher als ‚langweilig‘ abtun würden. Falls es dann doch mal in die Stadt geht, sind es wahrscheinlich die Freunde, die sie mit einem Cocktail oder Kinobesuch locken. Wenn bei diesen Treffen viel gelacht wird, ist Kim stets im Mittelpunkt, denn schließlich ist sie für ihr überlautes Lachen bei ihren Freunden bereits berühmt-berüchtigt. Eine Freude bereitet man Kim mit einer Partie Sing Star, oder einfach damit, dass man ihr eine gute Live-Performance auf YouTube zeigt.

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