Mama-Streit: Ist es ok, mit seinen Kindern Halloween zu feiern?

28. Oktober 2014

Katharina The Nachtsheim Session - Part One12.2.2014@ Niels Starnick

Ich kann mich über viel aufregen. Zum Beispiel darüber, dass Spielplätze verlottern, weil das Geld fehlt, sie reparieren zu lassen. Oder darüber, dass der Schaffner Kinder aus dem Zug werfen, weil sie ihr Monatsticket zu Hause vergessen haben. Über was ich mich nicht aufregen kann ist Halloween. Ich selbst war noch nie auf einer Halloween-Party, bin noch nicht mal ein Verkleidungs-Fan. Aber meine fast vierjährige Tochter ist einer. Mindestens einmal pro Woche zieht sie ihr Faschings-Kostüm aus dem Schrank und ist plötzlich Pippi Langstrumpf. Voller Phantasie füllt sie diese Rolle aus und wird richtig sauer, wenn ich sie bei ihrem richtigen Namen nenne und nicht Pippi. Dieses Jahr steht das erste Halloween an, das sie bewusst erlebt. Ihre Freundin erzählte ihr, dass man sich dann verkleidet und von Haustür zu Haustür geht, um Süßigkeiten zu sammeln. In dieser Beschreibung gab es zwei Dinge, die meine Tochter liebt: Verkleiden und Süßigkeiten. Und so stand es außer jeder Diskussion, dass wir Halloween feiern. Wir haben gemeinsam das Kostüm rausgesucht (Hexe) und üben seitdem die Sprüche, mit denen sie unseren Nachbarn einen Schrecken einjagen will („Schokolade raus, sonst verhex ich Dich in eine Kröte“). Es ist mir egal, ob der Brauch aus den USA kommt. Es ist mir egal, dass Bäcker, Schneider und Spielzeughersteller daraus Profit schlagen (das tun sie übrigens auch aus unseren Traditionsfesten wie Ostern und Weihnachten). Ich sehe Halloween einfach als großen Spaß und freue mich, dass meine Tochter gemeinsam mit anderen Kindern etwas erlebt, was sie noch Wochen danach begeistern wird. Es gibt so viel, über das man sich aufregen könnte – vielleicht tut es uns aber allen mal ganz gut, tief durchzuatmen und die Kirche im Dorf zu lassen. Halloween ist eine Party. Nicht mehr, nicht weniger.

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Ich bin bekennende Karnevalistin. Kölsche Karnevalistin. In Köln ist der Karneval die fünfte Jahreszeit, gelebte Tradition. Wenn sich Städte wie Berlin trauen, dem Kölschen Karneval nachzueifern, dann wirkt das meist vor allem: trostlos. Ein paar nicht verkleidete Menschen am Straßenrand, die versuchen, ein paar Süßigkeiten abzugreifen von dem Zug mit der Musik, die sie nicht verstehen. Herzlos irgendwie. Und genauso fühlt sich für mich Halloween in Deutschland an. Ich habe noch nie Halloween in Deutschland gefeiert und werde dies auch in diesem Jahr nicht tun. Ich mag Gewachsenes, bei Abgeschautem bin ich skeptisch. Ich mag, wenn Kinder an der Tür stehen und Sankt Martins-Lieder singen und dabei vielleicht sogar so tun, als würden sie ihren Mantel teilen, weil es Martin damals tat. Ich mag es nicht, wenn Kinder in gruseligen Outfits blutend oder voller Spinnweben oder mit Dracula-Zähnen an meiner Tür kratzen und Trick or Treat rufen, obwohl sie gar nicht wissen, was das heißt. Nicht, weil ich den Kindern den Spaß nicht gönne. Für Späße bin ich immer und jederzeit bereit! Nein, sondern weil ich es befremdlich finde, dass wir vor lauter Fun, den wir uns aus der ganzen Welt zusammensammeln, vergessen, warum solche Feste eigentlich zu uns schwappen. Weil Feste – auch – mit Konsum zu tun haben. Der Bäcker, der nun Monster-Muffins verkaufen kann, der Schneider, der Vampirkleider entwerfen kann, die Süßigkeitenhersteller, die uns gummiartige-Wackel-Augen-Lollis verkaufen können. Und zwei Wochen später wieder Lebkuchenhäuser, ach und vorher noch Dirndl, weil in München ja die Wiesn sind und Thanksgiving könnten wir doch auch noch feiern! Ich war einmal auf dem Oktoberfest in München. Und ich kann sagen: Das hat eine andere Qualität als die Oktoberfestparty im ländlichen Festzelt vor den Toren Berlins. Und wer einmal den Karneval in Köln miterlebt hat, der wird wissen, dass da viel Herzblut hinter steckt. Halloween mag ein gigantisches Fest sein. In Amerika. Dort und nur dort hätte ich wirklich mal Lust, an dem Spektakel teilzunehmen.

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Was meint Ihr? Feiert Ihr Halloween mit Euren Kindern?

Titelbild © Krikelakrak by Nicky Pollmeier

 

 

Kennt Ihr schon den Mama-Streit aus der vergangenen Woche? Lest hier, ob es ok ist, sich in den Erziehungsstil der besten Freundin einzumischen.

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Katharina
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Katharina und Lisa

Als drittes von fünf Kindern war Katharina immer klar: Sie will selbst auch eine große Familie haben. Mhhhh - doch dann kam zuerst das Studium, eine Ausbildung und schwupps war sie Ende 20, als ihre Tochter geboren wurde. Heute ist sie, Katharina, 33. Im Januar kam Baby Nr. 2 , der Traum von der Großfamilie besteht immer noch. Und weil die ja nicht nur von Luft und Liebe leben kann, arbeite sie als Journalistin mit Themenschwerpunkt... genau: Familie. Lisa ist 32 und beschäftigt sich, seit sie Mutter dreier Kinder ist, natürlich oft und viel mit Familienthemen. Um nicht ihrem gesamten Freundeskreis mit Kinder-Anekdoten zu nerven, schreibt sie in vielen Ecken und Enden des Internets darüber, z.B. bei www.nusenblaten.de oder www.stadtlandmama.de. Mit Kindern, Mann, Großeltern und vielen Tieren lebt sie direkt am Waldrand. Ihre eigene Kindheit verbrachte sie vor allem auf dem Fußballplatz, auf dem ihr Bruder kickte, während sie mit dem Einrad drumherum kurvte... Gemeinsam schreiben Katharina und Lisa unsere Kolumne "Mama-Streit".

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