Milch macht müde Männer munter?

18. September 2014

Prominente Persönlichkeiten mit Milchbart, schwarz-weiß gescheckte Kühe auf sattgrünen Wiesen, die Bäuerin mit dem Melkschemel – die Werbung lässt kein Klischee aus, um Milch und Milchprodukte als gesund und notwendig zu verkaufen… Doch in der letzten Zeit gerät Milch zunehmend in die Kritik. Zum einen, weil viele Menschen eine Unverträglichkeit feststellen, zum anderen weil viele bewusster konsumieren und kritisch hinterfragen, was in ihrem Einkaufswagen oder auf dem Teller landet. Zeit, die Milch etwas genauer unter die Lupe zu nehmen…

Wie auch in meinem Profil steht, ernähre ich mich sehr bewusst und rein pflanzlich. Ich werde mich aber dennoch bemühen, objektiv die Tatsachen zu schildern, da ich hier keinem sein Glas Milch oder seinen Joghurt madig machen möchte! Es gibt ja nie die absolute Wahrheit, sondern viele, viele Farbschattierungen zwischen Schwarz und Weiß. Jeder Verbraucher trifft tagtäglich seine Entscheidung an der Ladentheke – was die eigene Gesundheit, was den Klima- und Umweltschutz (für einen Liter Milch müssen beispielsweise bis zu 100 l Wasser aufgewendet werden!) sowie was die Menschen- und Tierrechte betrifft!

Doch warum sollte man seinen Milchkonsum (das beinhaltet auch sämtliche Milchprodukte) einmal kritisch hinterfragen? Und welche Alternativen gibt es, die ebenso schmackhaft, aber vor allem auch mindestens ebenso gesund sind? Hier eine kurze Übersicht:

75 % der Weltbevölkerung sind laktoseintolerant – so wie der Säugling nach dem Abstillen keine Muttermilch mehr benötigt, kann er sehr häufig auch den Milchzucker nicht mehr verwerten, weil ihm das entsprechende Verdauungsenzym Laktase fehlt – Blähungen, Magenkrämpfe und Durchfall sind die Folge. Man muss nicht einmal ausgewiesener Allergiker sein, aber jeder hat in seinem Bekanntenkreis sicher den einen oder die andere, die Milch und Käse „nicht so gut vertragen“ können…

Milchprodukte beinhalten außerdem erhebliche Mengen an Cholesterin und sind eine der Hauptquellen für gesättigte Fettsäuren, was zu Herzkrankheiten, Bluthochdruck und Übergewicht führen kann. Mehrere Studien setzen auch die insulinstimulierenden Aminosäuren der Milch mit Diabetes in Zusammenhang. Durch den hohen Gehalt eben dieser schwefelhaltigen Aminosäuren steht Kuhmilch im Verdacht, den Körper zu übersäuern. Zur Neutralisierung muss dem Körper wieder Kalzium entzogen und über die Nieren ausgeschieden werden. Paradox, oder? Jeder verbindet Milch mit Kalzium („ist gut für die Knochen!“), aber die Osteoporoseraten (Knochenschwund und zunehmende Brüchigkeit der Knochen) sind dort am höchsten, wo am meisten Milch getrunken wird!

Viele trinken Milch auch, um den Vitamin D-Bedarf abzudecken, da Milch und Milchprodukte neben Kalzium und Eiweiß nennenswerte Mengen dieses lebenswichtigen Vitamins enthalten. Zwingend ist das aber nicht: Der Mensch bildet die benötigte Menge Vitamin D größtenteils auf natürlichem Wege, wenn Sonnenlicht auf die Haut trifft. Täglich bis zu 15 Minuten Sonnenbestrahlung auf Arme und Beine oder Hände und Gesicht sind schon ausreichend.

Gerade in den letzten Wochen liest man immer wieder, dass Milchkonsum und Krebsrisiko in einem kausalen Zusammenhang stehen sollen. Was hat es damit auf sich? Diverse universitäre Studien, ebenso wie Zahlen der Weltgesundheitsorganisation, belegen eine Korrelation der weltweiten Brustkrebshäufigkeit mit dem Milchverbrauch in den jeweiligen Ländern. Dies bedeutet jetzt natürlich nicht, dass jeder, der übermäßig viele Milchprodukte verzehrt, automatisch an Krebs erkrankt, aber ähnlich wie beim Verzehr von rotem Fleisch, steigere ich bei erhöhtem Milchkonsum das Risiko für Darm-, Brust-, Prostata- oder Eierstockkrebs. So wie die meisten Raucher ein erhöhtes Risiko haben, evtl. an Lungenkrebs zu erkranken.

 Vegane Milch

Wenn Ihr Euch nun fragt, was Ihr denn für Alternativen habt, um Euer Müsli anzurichten, die Lasagne zu überbacken oder einen köstlichen Cappuccino zu zaubern, kann ich auf zahlreiche (oftmals auch mit Kalzium oder Vitaminen angereicherte) pflanzliche Alternativen verweisen, die es nicht nur im Reformhaus oder im Bioladen Eures Vertrauens, sondern mittlerweile auch beim Discounter um die Ecke gibt. Wer Sojaprodukte nicht mag oder nicht verträgt, findet zahlreiche Varianten aus Hafer, Dinkel, Reis oder diversen Nusssorten.

Ich empfehle zum Beispiel Reis-Kokos-Milch für das morgendliche Müsli, Mandel- oder Haselnussmilch für den Latte Macchiato, Reissahne zum Kochen und Sojajoghurt für den Obstsalat. Ach, und es gibt auch übelst leckeres Eis aus Lupinen (eine auch in Deutschland angebaute Pflanzengattung aus der Familie der Hülsenfrüchtler). Und zum Überbacken eignen sich auch Cashew-Mus oder Hefeflocken… Schaut doch einfach mal, was Alpro, Provomel, Natumi und Co zu bieten haben 🙂

Tja, wir sind es halt von klein auf gewohnt, aber ganz nüchtern betrachtet müssen wir uns schon fragen, warum wir überhaupt Kuhmilch trinken und so viel Milchprodukte zu uns nehmen. Eigentlich ist Milch ja zunächst dafür bestimmt, dass die Kälbchen schnell groß werden. Und normalerweise geben Kühe nur dann Milch, wenn sie schwanger sind…

Wusstet Ihr, dass Kühe theoretisch bis zu 25 Jahre alt werden können? Unsere „Turbokühe“, die mit Antibiotika und Wachstumshormonen auf möglichst große Milchmengen getrimmt werden, schaffen im Schnitt nur rund vier Lebensjahre. Hier empfehle ich den kritischen Blick aufs Milchetikett und die Suche nach zertifizierten Bauernhöfen in der Umgebung.

Abschließend möchte ich hier kurz das überaus komplexe Thema Massentierhaltung in den Raum werfen. Jeder hat sicher schon mal davon gelesen oder TV-Reportagen gesehen. Viele glauben, dass sie persönlich nichts an den teils erbärmlichen Zuständen ändern können und ignorieren diese oder resignieren letztendlich. Aber auch als begeisterter Milchtrinker könnt Ihr Euer Statement setzen, indem Ihr nicht zur extragünstigen, ultrahocherhitzten, zehn Tage haltbaren Milch aus der Kühltheke greift, sondern einen Bauernhof in der Nähe ausfindig macht und dort Eure Milch bezieht. Alternativ könnt Ihr auch, falls kein Bauernhof in der Nähe, zu Bio- und Weidemilch wechseln, die es mittlerweile auch beim Discounter gibt. Auch wenn nicht alle Bio-Bauernhöfe eine Weidehaltung mit ausreichendem Platzangebot garantieren können, so ist die Wahrscheinlichkeit einer glücklich grasenden und hormon-freien Kuh dort zumindest um einiges größer…Diskutier mit!

PS: Unbehandelte Rohmilch von einwandfrei gehaltenen Tieren ist – in kleinen Mengen – deutlich akzeptabler als industriell verarbeitete Milch aus der Massentierhaltung. Rohmilch enthält das gesamte Spektrum der Aminosäuren sowie Folsäure, B-Vitamine, Vitamin C, Omega-3-Fettsäuren und andere Nährstoffe, die durch die Pasteurisierung weitgehend oder komplett zerstört werden. Genau aus diesem Grunde erkranken Kinder auf Bauernhöfen nachweislich seltener an Allergien.

Titelbild: © Jan Schuler – Fotolia.com

Bild Fließtext: © geografika – Fotolia.com

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Marcello
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Marcello

Marcello verantwortet mit seinem wunderbaren Team die Unternehmenskommunikation bei Ernsting’s family, die er vor fast zehn Jahren aus der Taufe gehoben hat. Neben diesem Baby ist er auch im real life zweifacher Vater und wohnt an der Grenze zwischen Ruhrgebiet und Münsterland. Marcello ist ständig auf Achse – entweder quer durch die Republik oder als Nicht-Digital Native in den social networks dieser Welt. Dabei holt er sich immer wieder viele Inspirationen für seine drei Faibles Fashion, Food und Fitness. Als leidenschaftlicher, aber tierliebender Koch verwöhnt er nicht nur seine Familie, sondern auch sein Team mit ständig neuen veganen Kreationen – ganz ohne Missionierungseifer ;-)

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5 Kommentare

  1. Hallo Marcello, ich finde deine unvoreingenomme Herangehensweise ohne Missionierungseifer wirklich angenehm und vorbildlich, allerdings geht Korrelation – wie du vermutlich sogar weißt – eben NICHT zwangsläufig mit Kausalität einher. Somit ist deine Behauptung

    “…aber ähnlich wie beim Verzehr von rotem Fleisch, steigere ich bei erhöhtem Milchkonsum das Risiko für Darm-, Brust-, Prostata- oder Eierstockkrebs.”

    nicht ganz korrekt. Und ich finde, dort wo Begrifflichkeiten, die möglicherweise nicht jedem Leser geläufig sind, unkorrekt verwendet werden, hört ‘unvoreingenommen’ auf und fängt ideologisch gefärbte bzw. manipulative Berichterstattung auf.

  2. Marcello
    Chefredakteur bei Ernsting's family Blog

    Na ja, liebe Jess! Es gibt verschiedene wissenschaftliche Studien, die die Korrelation zwischen Milchkonsum und bspw. Brustkrebsrisiko oder auch anderen Krebsarten aufzeigen. Das heißt nicht, dass das bei jedem unbedingt zutreffen muss, aber ein erhöhtes Risiko ist nicht abwegig. Korrekt müsste es insofern heißen, “kann ich das Risiko steigern”…

  3. Lieber Marcello, zunächst einmal hast du völlig Recht, was die Studien über eine vorhandene Korrelation angeht. Allerdings -und das ist der springende Punkt- gibt es keine einzige wissenschaftliche Studie (ich nehme an, wir gehen dabei von seriösen wissenschaftlichen Fachpublikationen mit hohem Impact aus wie z. B. Nature, Science, Lancet, …), der es gelingt, einen KAUSALEN Zusammenhang zwischen Milchkonsum und Krebserkrankungen herzustellen. Verstehst du – nicht eine einzige! Deswegen ist es eben keine kleine Ungenauigkeit, so etwas zu behaupten, sondern schlichtweg falsch. Es gibt einfach keine Evidenz dafür, und wenn du ein vorhandenes Risiko behauptest, dann ist das deine eigene Interpretation – worauf du entweder hinweisen solltest, oder du lässt die Behauptung eben gleich sein.

    Auf http://tylervigen.com findest du übrigens eine große Sammlung unterhaltsamer Beispiele für Korrelationen. Zum Beispiel lässt sich für den Zeitraum zwischen 1999 und 2009 eine Korrelation zwischen der Anzahl an Personen, die in den USA und Kanada in einem Swimming Pool ertranken, und der Anzahl an Filmen, in denen Nicholas Cage mitspielt, feststellen. Würdest du hier auch einen kausalen Zusammenhang hineininterpretieren? Vermutlich eher nicht, oder?

  4. Jess du sprichst hier nur eben von einem kausalen Zusammenhang und den würden Forscher nicht mal klar bei Lungenkrebs bestätigen sondern selbst nur sagen: “Raucher haben statistisch gesehen sehr viel öfter Lungenkrebs als Nichtraucher.” Sie sprechen also auch nur von Korrelationen. Den Anspruch, den du hier hast, dass nämlich irgendwelche Studien kausale Zusammenhänge zwischen Ernährung und irgendwelchen Krankheiten aufzeigen, wird generell nicht erfüllt. Es reicht die Tatsache, dass genug Ärzte heutzutage besonders bei Brustkrebs eine vegane Ernährung empfehlen, dass viele Kranke dadurch gesünder wurden, dass die Länder wo wenige bis keine Milch konsumiert wird weniger Krankheiten hat als in Europa etc. Man muss nicht immer die Studie haben die alles beweist, dafür ist davon ab die Industrie viel zu mächtig. Falls dir neben dem kritisieren daran gelegen ist zu dem Thema mehr zu erfahren sind zb die Milchlüge eine gute Doku oder die Studien von Neal Barnard vom PCRM etc…

  5. https://www.youtube.com/watch?v=qAnD9XKI7J4&list=UUddn8dUxYdgJz3Qr5mjADtA

    http://health101.org/art_cancer_breast_new.htm (diese Seite ist generell sehr informativ)

    Es gibt die Genexpressions-Studie von Dean Ornish, der bei Männern mit bereits bestehendem Prostatakrebs gezeigt, hat, dass sich nach 3 Monaten gesunder, veganer, fettarmer Ernährung über 500 Gene verändert haben. Die Tumore kamen teilweise zum Stoppen, teilweise gingen sie zurück. Ist aber “nur” eine Pilotstudie.
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18559852

    Gleichzeitig untersucht wurde die Telomerase-Länge. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18799354

    Dazu gibt es inzwischen dazu das Follow-up nach 5 Jahren.
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24051140

    Man kann jetzt natürlich argumentieren, dass es da auch um Fettkonsum geht, das stimmt. Aber das zeigt nur, dass eine vegane Ernährung nicht automatisch gesund ist. Eine reine Studie nur über Milchkonsum kann es nicht geben, weil alle tierischen Produkte ähnlich negative Eigenschaften haben, deshalb funktioniert eine Heilung ja auch nur, wenn man wirklich konsequent vegan lebt. Und natürlich ist eine vegane Ernährung kein Garant gegen Krebs oder für eine Heilung. Wir sind nun mal mehr als die Summe unserer Zellen oder auch unserer Gene.

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