Mama-Streit: Das Familienbett

24. September 2014

Unser Elternbloggerinen Lisa und Katharina haben sich diese Woche ein besonders schwieriges Thema vorgenommen: Ist es in Ordnung, seine Kinder im eigenen (Eltern-)Bett schlafen zulassen, also ein Familienbett zu haben? Oder sollte das Elternbett, wie der Name bereits sagt, den Eltern vorbehalten bleiben?

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Lisa

Warum meine Eltern zwei Ehebetten nebeneinander im Schlafzimmer stehen hatten, verstehe ich erst heute, da ich selbst Kinder habe. Sie hatten einfach genug von der Drängelei, die entstand, wenn mein Bruder und ich nachts leise zu ihnen ins Bett krochen. Zwei Betten. Problem gelöst. So hatten alle genügend Platz! Ich vergleiche ein Familienbett oft mit einem Nest. Wenn Kaninchen Junge bekommen, dann liegen alle übereinander, aufeinander, nebeneinander, eng aneinander gekuschelt und genauso wirkt das eben auch, wenn meine drei Kinder sich abends oder nachts oder morgens in unserem Elternbett tummeln. Ja, wir sind eine Familienbett-Familie. Jedes Kind hat zwar sein eigenes Bett im eigenen Zimmer, aber sie wissen: Sie sind bei uns jederzeit herzlich willkommen, wenn ein Traum zu schlecht war oder die Sehnsucht nach Maaama oder Paaaapa zu groß ist. Für mich ist diese Möglichkeit der Inbegriff von Geborgenheit. Schlafende Kinder wecken in mir eh überdimensionale Glücksgefühle, weil ich sie betrachten kann und riechen kann und weil sie so friedlich und vertraut da liegen und gleichmäßig atmen. Das ist pures Glück. Ich erinnere mich, dass ich selbst oft Angst hatte, in der Nacht und dann rüberschlich ins Elternbett. Genauso machen es unsere Kinder. Natürlich ist es manchmal zu eng in unserem Bett. Wir haben mittlerweile eine Matratze neben dem Bett liegen, auf die jemand ziehen kann, dem es zu eng ist. Und ja, manchmal ziehe ich oder zieht mein Mann in eins der Kinderbetten, weil wir unsere Ruhe haben wollen. Deswegen haben unsere Kinder auch jetzt schon Jugendbetten, damit wir bei unseren nächtlichen Wanderungen einfach alle gut liegen können. Es gab Zeiten, zu Beginn des letzten Jahrhunderts, da wurden Mütter angehalten, ihre Kinder möglichst viel allein zu lassen, besonders nachts. In den ersten 24 Stunden sollte das Baby schlicht allein gelassen werden. Heute ist das unvorstellbar. Für mich war da auch nie diese Entscheidung. Familienbett – ja oder nein? Für mich gehört das ganz selbstverständlich dazu. Denn was mir damals gut tat, davon gehe ich aus, tut sicherlich auch meinen Kindern gut. Selbst wenn mein Mann manchmal stöhnt, dass ihm das alles zu ungemütlich ist. In zehn Jahren kommen sie nicht mehr in unser Bett und schmiegen sich in unseren Arm und dann werden wir es noch vermissen. Davon bin ich überzeugt. Aber auch dann ist es mir wichtig, dass sie wissen, dass ich immer für sie da sein werde, egal ob tags oder nachts. Natürlich werden sie nicht mehr in mein Bettchen kriechen, aber vielleicht werden sie mir dann eine SMS schreiben. Oder auch nicht. Denn was bei uns genauso gilt ist: Niemand muss, aber jeder darf. Meistens kommt auch tatsächlich nur ein Kind pro Nacht zu Besuch.

 

The Nachtsheim Session - Part One12.2.2014@ Niels StarnickKatharina

Bevor ich Mutter wurde, hatte ich eine genaue Vorstellung davon, wie meine Erziehung aussehen sollte. Was soll ich sagen – das meiste davon habe ich nicht durchgehalten. Bis auf: Die Kinder schlafen nicht in meinem Bett. Da war und bin ich sehr konsequent (außer ein Kind ist krank), denn ich halte nichts, nada, niente vom Familienbett. Warum? Die größte Veränderung, die Kinder mit sich bringen, ist doch, dass sie ständig da sind. Ab 5.30 Uhr (wenn mein Kleiner aufwacht) bis 19.45 Uhr (wenn die Große ins Bett geht), habe ununterbrochen ein Kind auf dem Arm, auf dem Schoß, am Bein oder Huckepack. Ist es da nicht mehr als verständlich, dass ich ab 19.46 Uhr meine Ruhe will? Ich will im Bett liegen, ohne eine kleine Hand auf meinem Gesicht, ohne einen Fuß im Bauch. Ich muss zur Ruhe kommen, damit ich tagsüber die Mutter sein kann, die ich sein will.

Ich glaube, dass Mütter, die für das Familienbett sind, Schwierigkeiten haben, sich abzugrenzen. Zu sagen: ich habe auch noch Bedürfnisse, ich bin auch noch ein Individuum. Sie meinen, immer 100%ig für den Nachwuchs da sein zu müssen, egal zu welcher Tages-und Nachtszeit. Sie machen sich den Druck, die perfekte, immer liebende Mutter zu sein. Und das kann schnell im Burn out enden.

Ich glaube, dass ein Familienbett eine Ehe belastet. Wie soll man sich näher kommen? Immer aufs Sofa/Küche/Badezimmer auszuweichen, ist doch auch nicht das Wahre. Es heißt nicht umsonst EHEBett.

Ich glaube, dass Kinder lernen müssen, alleine ein-und durchzuschlafen. Ich war schon auf Abendessen eingeladen, da verabschiedete sich die Frau des Hauses um kurz nach acht, um die Kinder ins Bett zu bringen, und kam um kurz nach 22 Uhr wieder zurück. Weil die lieben Kleinen nur schlafen können, wenn Mami sie wärmt.

Ich glaube, dass Mütter, die für ein Familienbett sind, schlecht loslassen können. Meine Freundin, bei der beide Kinder im Bett schlafen, sagt immer: „Ich genieße das, irgendwann wollen die Kinder ja nicht mehr so viel mit den Eltern kuscheln.“ Ich kuschel auch gerne mit den Mäusen – tagsüber. Und mir macht es keine Sorgen, dass meine Kinder es irgendwann uncool finden werden. Das ist der Lauf der Zeit.

Familienbett-Befürworter kommen ja gerne mit dem Argument, dass es in weiten Teilen dieser Erde völlig normal ist, dass die Familie in einem Bett schläft. Ja, mag sein. Aber ich lebe hier und jetzt. Andere Länder, andere Sitten. Und wer immer noch nicht überzeugt ist: Das Schlafen in einem eigenen Bett minimiert auch das Risiko für den plötzlichen Kindstod.

 Diskutierbutton-298x300 Was meinst Du? Gehört das Bett Dir und Deinem Partner oder hast Du auch ein Familienbett? Titelbild © Krikelakrak by Nicky Pollmeier

Katharina
Autor

Katharina und Lisa

Als drittes von fünf Kindern war Katharina immer klar: Sie will selbst auch eine große Familie haben. Mhhhh - doch dann kam zuerst das Studium, eine Ausbildung und schwupps war sie Ende 20, als ihre Tochter geboren wurde. Heute ist sie, Katharina, 33. Im Januar kam Baby Nr. 2 , der Traum von der Großfamilie besteht immer noch. Und weil die ja nicht nur von Luft und Liebe leben kann, arbeite sie als Journalistin mit Themenschwerpunkt... genau: Familie. Lisa ist 32 und beschäftigt sich, seit sie Mutter dreier Kinder ist, natürlich oft und viel mit Familienthemen. Um nicht ihrem gesamten Freundeskreis mit Kinder-Anekdoten zu nerven, schreibt sie in vielen Ecken und Enden des Internets darüber, z.B. bei www.nusenblaten.de oder www.stadtlandmama.de. Mit Kindern, Mann, Großeltern und vielen Tieren lebt sie direkt am Waldrand. Ihre eigene Kindheit verbrachte sie vor allem auf dem Fußballplatz, auf dem ihr Bruder kickte, während sie mit dem Einrad drumherum kurvte... Gemeinsam schreiben Katharina und Lisa unsere Kolumne "Mama-Streit".

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